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Myanmar:Geflüchtete Rohingya sollen nach Myanmar zurückkehren

Mehr als 600 000 Angehörige der muslimischen Minderheit flüchteten nach Bangladesch.

(Foto: AFP)
  • Angehörige der verfolgten muslimischen Minderheit waren vor Gewaltausbrüchen nach Bangladesch geflohen.
  • Seit Mittwoch hatten Bangladesch und Myanmar über eine Rückführung der Flüchtlinge verhandelt.
  • Unklar ist, ob die Rohingya bereitwillig zurückkehren.

Myanmar hat sich mit seinem Nachbarstaat Bangladesch darauf geeinigt, die geflüchteten Rohingya zurückzunehmen. In Myanmar werden die Rohingya seit langem verfolgt, im August eskalierte die Gewalt. Mehr als 600 000 Angehörige der muslimischen Minderheit flüchteten deshalb nach Bangladesch.

Die beiden Länder haben sich darauf geeinigt, dass die Rückkehr der Geflüchteten binnen zwei Monaten beginnen soll. Das teilte die Regierung von Bangladesch am Donnerstag nach einem Treffen von Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und dem Außenminister von Bangladesch, Abul Hassan Mahmood Ali, mit. Dieser sprach vor der Presse von einem "ersten Schritt". Myanmar werde die Rohingya zurücknehmen. "Jetzt müssen wir mit der Arbeit beginnen."

Seit Mittwoch hatten Bangladesch und Myanmar über eine Rückführung der Flüchtlinge verhandelt. Unklar ist, ob die Rohingya bereitwillig zurückkehren. Nach Aussagen verschiedener Flüchtlinge, Journalisten und Menschenrechtsorganisationen haben Soldaten und Mobs zahlreiche Rohingya-Dörfer niedergebrannt und unzählige Menschen ermordet.

Seit 1982 gelten sie nicht mehr als Staatsbürger

Als Rohingya bezeichnen sich die eine Million Muslime in Myanmars Teilstaat Rakhine. Obwohl dieser ihre Heimatregion ist, gelten sie seit 1982 nicht mehr als Staatsbürger, sondern als illegale Einwanderer. Grund dafür ist eine Gesetzesänderung der damaligen Militärjunta, das sie nicht zu den 135 offiziell anerkannten ethnischen Gruppen zählt. Seit Beginn der politischen Reformen in Myanmar 2011 hat sich die Menschenrechtslage im Land zwar insgesamt verbessert, aber die Situation der Rohingya verschlechtert. Keine Partei - auch nicht die Nationale Liga für Demokratie (NLD) von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi - stellte zur Parlamentswahl im November 2015 muslimische Kandidaten auf.

Im Moment gelten die Rohingya als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Erde. Die Vereinten Nationen sprechen von "Völkermord", "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und einer "ethnischen Säuberung" durch Myanmars Militär.

In Bangladesch lebten bereits zuvor etwa 300 000 Rohingya-Flüchtlinge. Sie dürfen dort nicht arbeiten, heiraten oder sich frei bewegen. Die Zustände in den überfüllten Lagern sind katastrophal.

© SZ.de/dpa/kna/csi/jsa/lalse
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