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Mosambik:Extremisten attackieren Gasprojekt

Mozambique

Das Fischerdorf Paquitequete, wo nach den Attacken auf den Ort Palma Boote mit Vertriebenen erwartet werden.

(Foto: Alfredo Zuniga/AFP)

Bei einem Überall islamistischer Milizen auf die mosambikanische Stadt Palma sterben Dutzende Menschen. Der französische Konzern Total bringt 1000 Mitarbeiter in Sicherheit.

Der französische Energiekonzern Total hat etwa 1000 Mitarbeiter aus der von Extremisten eingenommenen Küstenstadt Palma in Mosambik in Sicherheit gebracht. Die Arbeiter seien mit einem Schiff aus Palma in das südlich gelegene Pemba gebracht worden, sagte Staatsminister Armindo Ngunga. Total teilte auf Anfrage mit, die Zahl des anwesenden Personals in einem Flüssigerdgas-Projekt bei Palma sei auf ein absolutes Minimum reduziert worden. Die zu Beginn der Woche angedachte Wiederankurbelung des Projekts wurde demnach ausgesetzt.

Seit Mittwoch belagern und attackieren Rebellen, die einer islamistischen Gruppierung mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehören sollen, die Kleinstadt im Norden des ostafrikanischen Staates. Laut offiziellen Angaben wird weiter um die Kontrolle der Stadt gekämpft.

Die Armee versuche, die Stadt zurückzuerobern und eine Rückkehr der Bevölkerung zu ermöglichen, sagte ein Sprecher des Militärs laut der Zeitung Notícias vom Montag. Dutzende Menschen wurden demnach seit dem Überfall in der Stadt getötet. Über den Verbleib vieler Bewohner herrschte am Montag immer noch Unklarheit.

Felisberto Chivinzane, ein Bewohner von Palma, der vor dem Angriff fliehen konnte, sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Ort sei "vollständig zerstört" worden. Banken und Geldautomaten wurden demnach mit Sprengstoff angegriffen und Militärkasernen und Gesundheitseinrichtungen zerstört. Omar Saranga, Sprecher der mosambikanischen Armee, machte Terroristen für die Gewalt verantwortlich.

Seit 2017 immer wieder brutale Angriffe

Mehrere Menschen hätten Zuflucht in einem Hotel gesucht, sieben von ihnen seien getötet worden, als das Gebäude angegriffen wurde und die Menschen versuchten, zu entkommen. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berief sich auf Augenzeugen, die Leichen in den Straßen Palmas sahen, manche der Opfer seien enthauptet worden.

Der Ort Palma befindet sich in der gasreichen Provinz Cabo Delgado im Nordosten Mosambiks, wo Total an einem 16,9 Milliarden Euro teuren Flüssigerdgas-Projekt beteiligt ist. Seit 2017 kommt es in Cabo Delgado immer wieder zu brutalen Angriffen durch islamistische Milizen. Dabei sollen nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfe 670 000 Menschen vertrieben und mehr als 2000 gestorben sein.

Neben aufständischen Islamisten seien auch die mosambikanische Armee und Söldner für Kriegsverbrechen in der Region verantwortlich, hatte Amnesty International Anfang März zu dem Konflikt erklärt. Die Vereinigten Staaten verurteilten die jüngsten Terroranschläge und die Gewalt gegen Zivilisten in der Provinz Cabo Delgado scharf. "Die Angriffe zeigen eine völlige Missachtung der Bevölkerung, die unter der brutalen und wahllosen Taktik der Terroristen enorm gelitten hat", teilte Regierungssprecher Ned Price mit.

© SZ/Reuters/epd/dpa
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