USA:Folge drei einer Geschichte, die immer peinlicher wird

USA: Auch Trumps Vizepräsident Mike Pence bewahrte Dokumente auf, die er nicht mehr hätte haben sollen.

Auch Trumps Vizepräsident Mike Pence bewahrte Dokumente auf, die er nicht mehr hätte haben sollen.

(Foto: Ryan M. Kelly/AFP)

Nach Trump und Biden nun auch Mike Pence: Im Privathaus des ehemaligen Vizepräsidenten lagerten Geheimakten. Er habe nichts davon gewusst, behauptet er.

Von Peter Burghardt, Washington

Jetzt also auch noch Mike Pence, vormals US-Vizepräsident. Am Dienstag meldete zunächst CNN, dass bei ihm daheim in Indiana ebenfalls vertrauliche Akten entdeckt worden seien, die dort nicht hingehören. Wie zuvor bei seinem früheren Chef Donald Trump in Florida sowie in Washington und Delaware bei dessen Nachfolger Joe Biden, dem gegenwärtigen Präsidenten. Es ist Folge drei dieser Geschichte, die immer peinlicher wird. Wie kann es sein, dass die wichtigsten Männer der Weltmacht bei ihren Umzügen dermaßen geschlampt haben?

Die Fortsetzung dieser Serie spielt in Carmel am Rande von Indianapolis, dort steht zwischen Bäumen, Wiesen und Gewässern das neue Anwesen der Familie Pence. Bereits vergangene Woche fand sein Anwalt Matt Morgan unter diesem Dach ungefähr ein Dutzend Papiere mit dem Vermerk "classified", dem Zeichen für Vertraulichkeit.

Die Dokumente befanden sich in noch zugeklebten Umzugskartons

Pences Anwälte informierten das Nationalarchiv, wo solches Material nach der Amtszeit hingehört. Das US-Justizministerium schickte das FBI. Es handle sich um eine "kleine Anzahl von Dokumenten mit Verschlusssachen-Kennzeichnung", so Pence-Berater Greg Jacob. Dem Vizepräsidenten sei die Existenz sensibler oder als geheim eingestufter Dokumente in seinem persönlichen Wohnsitz nicht bewusst gewesen, er kenne aber deren Bedeutung und werde bei jeder geeigneten Untersuchung kooperieren.

Pence hatte sein Büro im Weißen Haus und seine Wohnräume im Naval Observatory am 20. Januar 2021 endgültig geräumt. Die Umzugsboxen landeten offenbar zunächst in Virginia, wo Pence vorübergehend Quartier bezog, und danach in Indiana. Sie seien, so heißt es, mit Klebeband verschlossen gewesen und nicht geöffnet worden, ehe der Anwalt kürzlich doch nachsah und seine Funde im Safe verstauen ließ, bevor die Behörden eintrafen. Die Pence-Leute wollen nun wie die Biden-Leute protokollgemäß gehandelt haben. Aber inzwischen sind ein ehemaliger und ein amtierender US-Präsident und ein ehemaliger US-Vizepräsident in Erklärungsnöte geraten.

Seines Wissens habe er keine Papiere mitgenommen, sagte Pence im vergangenen Sommer, als Polizisten im Rahmen einer Razzia bei Trump in Mar-a-Lago jede Menge klassifizierte Unterlagen beschlagnahmt hatten. Noch im November konnte er nicht verstehen, weshalb jemand geheime Dokumente horte, "vor allem, wenn sie sich in einem ungeschützten Bereich befinden". Gleichzeitig schimpfte Pence darüber, "einen Durchsuchungsbefehl in der persönlichen Residenz eines ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten zu vollstrecken".

Die Staatsgeheimnisse wurden wohl von Praktikanten verpackt

Trump verweigerte die Herausgabe, das FBI griff zu. Mittlerweile allerdings setzte der Justizminister Merrick Garland außer im Fall Trump auch in der Causa Biden einen Sonderermittler ein. Bei Biden tauchten an mehreren Orten Akten aus seiner Zeit als Senator und Vizepräsident auf, unter anderem neben einem alten Sportwagen in seiner Garage. Was in all diesen Geheimpapieren steht, ist unbekannt. Doch die Affären betreffen unterdessen zwei führende Republikaner und den führenden Demokraten.

Alle drei könnten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2024 sein, Trump hat seine Bewerbung schon verkündet. Die Ermittlungen dürften sich bis in den Wahlkampf hinziehen. Für Trump ist Pence "an innocent man", unschuldig, so betrachtet er sich auch selbst. Der Unmut über diese möglichen Bewerber jedoch nimmt mit verschiedenen Schwerpunkten in beiden Parteien zu.

Demokraten und Republikaner wollen prüfen, welche Staatsgeheimnisse da privat gelagert wurden. Man müsse der Sache auf den Grund gehen, empfiehlt der republikanische Senator Lindsey Graham. "Ich glaube nicht eine Minute lang, dass Mike Pence versucht hat, die nationale Sicherheit absichtlich zu gefährden. Aber wir haben hier eindeutig ein Problem."

Das sei das Seltsamste, was er je gesehen habe, sagt der Kollege Marco Rubio. "Ich habe keinen Grund zu glauben, dass es in irgendeiner Weise ruchlos ist, aber offensichtlich werden in der Exekutive nur Kisten gepackt", so Rubio. "Können wir uns alle darauf einigen, dass das nicht passieren sollte?", fragt der Senator Kevin Cramer, auch er Republikaner. Es müsse gelingen, dass künftig jemand anderes als die Praktikantin solche Kisten packten.

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