CDU Merz kann sich Ministeramt vorstellen

Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz bei seiner Rede auf dem CDU-Bundesparteitag vor den Delegierten.

(Foto: dpa)
  • In einem Interview mit der FAZ sagt Merz, er habe gegenüber Kramp-Karrenbauer sein Angebot bekräftigt, "wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen".
  • Ein Ministeramt würde er sch aufgrund seiner "Erfahrungen in Wirtschaft und Politik zutrauen".
  • Gerüchte, er sei auf dem CDU-Parteitag benachteiligt worden, etwa indem bei seiner Bewerbungsrede das Mikrofon leiser gedreht worden sei, weist Merz zurück.
Von Robert Roßmann, Berlin

Der in der Abstimmung um den CDU-Vorsitz unterlegene Friedrich Merz hat sich nach längerem Schweigen zu seinen Zukunftsplänen geäußert. Merz sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er habe in einem Gespräch mit der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sein Angebot bekräftigt, "wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen" und dafür auch seine bisherige berufliche Tätigkeit aufzugeben. Sie hätten zwar "noch nichts Konkretes vereinbart", Kramp-Karrenbauer und er seien aber übereingekommen, Ende Januar oder Anfang Februar "im Lichte der Entwicklungen" erneut miteinander sprechen. Es sei "ein sehr gutes, vertrauensvolles Gespräch" gewesen, über dessen Inhalt man Vertraulichkeit vereinbart habe.

Auf die Frage, ob für ihn auch die Übernahme eines Bundesministeriums in Frage komme, sagte Merz, er würde sich ein solches Amt aufgrund seiner "Erfahrungen in Wirtschaft und Politik zutrauen". Dies liege aber nicht in seiner Hand, sondern sei "Sache der Kanzlerin".

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Gerüchte und Vorwürfe, er sei auf dem CDU-Parteitag benachteiligt worden, etwa indem bei seiner Bewerbungsrede das Mikrofon leiser gedreht worden sei oder die Scheinwerfer besonders heiß gewesen seien, wies Merz zurück. Der 63-Jährige sagte, er könne "mit diesen Gerüchten gar nichts anfangen", der Wettbewerb um den CDU-Vorsitz sei "fair" gewesen. Und darauf, dass es "massive Angriffe vom politischen Gegner und vor allem aus Teilen der Medien" gegen ihn geben würde, sei er vorbereitet gewesen.

Merz bestätigte Berichte, denen zufolge bei seiner Kandidatur Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble eine Rolle gespielt habe. "Schäuble gehört zu denen, die mich ermuntert haben, in die Politik zurückzukehren", sagte Merz. Der Bundestagspräsident sei aber "nicht der alleinige Grund dafür, dass ich mich dazu entschieden habe".

Auf die Frage, wie sehr ihn der Gedanke reize, einmal Kanzler zu werden, entgegnete Merz lediglich, er habe sich "mich mit der Frage beschäftigt, ob ich es mir zutraue, Parteivorsitzender zu werden". Diese Frage habe er mit Ja beantwortet. Alle anderen Fragen, die sich daraus möglicherweise ergeben hätten, hätte er sich "dann gestellt".

Befürchtungen, er könne die hohen Erwartungen seiner Anhänger enttäuschen, hat der frühere Unionsfraktionschef offenbar nicht. Merz sagte, es sei "erstaunlich, dass jemand, der so lange draußen war aus der aktiven Politik, mit wenigen Wochen Anlauf auf einem Parteitag fast die Hälfte der Delegiertenstimmen und einen so großen Zuspruch an der Basis bekommt". Der Grund dafür scheine zu sein, dass "ganz offensichtlich ein Teil des politischen Anspruchs" vieler CDU-Mitglieder in den vergangenen Jahren nicht erfüllt worden sei und es "einen Bedarf an bestimmten Inhalten und politischer Klarheit gibt".

Das Bedürfnis großer Teile der Bevölkerung, "dass mehr wirtschaftliche Sachkompetenz in die Politik eingebracht und komplexe Sachverhalte stärker erklärt werden", sei groß. Er sei bereit, "an geeigneter Stelle daran mitzuwirken, dass wirtschaftsliberale und wertkonservative Inhalte stärker in die CDU eingebracht werden, damit die CDU wieder die starke Kraft der politischen Mitte wird". Zu seinem Bedauern und zum Nachteil der Politik insgesamt gebe es ja "nicht so viele Menschen, die gleichzeitig Erfahrung in der Politik und im Beruf haben" und darüber hinaus Erfahrungen in einer freiberuflichen Tätigkeit.

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