Mediation Der Mann, der die AfD versöhnen soll

Ein Mediator, kein Paartherapeut: Gernot Barth

(Foto: dpa)

Seit einem Streit um antisemitische Äußerungen sind die Rechtspopulisten im Stuttgarter Landtag gespalten. Mediator Gernot Barth will sie wieder zusammenführen.

Von Benedikt Peters

Die vergangenen Tage haben aus Gernot Barth einen leicht verärgerten Mann gemacht. Seit letztem Dienstag, sagt er, stehe sein Telefon nicht mehr still. Ständig riefen Journalisten bei ihm an. Und die schrieben mitunter großen Unsinn. "Ich werde da zum Beispiel als Paartherapeut bezeichnet", sagt er am anderen Ende der Leitung. "Das ist Quatsch, ich bin Mediator!"

Die vielen Anrufe haben mit einer ungewöhnlichen Aufgabe zu tun, die Barth übernommen hat. Er soll aus zwei Fraktionen im Landtag von Baden-Württemberg wieder eine machen, nämlich aus der AfD und der ABW. Die ABW (Alternative für Baden-Württemberg) ist eine Vereinigung von AfD-Parlamentariern im Stuttgarter Landtag, die sich nach einem Streit über antisemitische Äußerungen des Abgeordneten Wolfgang Gedeon von der AfD abgespalten hat, unter ihnen auch Fraktionschef und AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen. Gedeon hat die Fraktion inzwischen verlassen, der Streit aber schwelt nach wie vor.

Zwei zerstrittene Gruppen, AfD und ABW, da liegt die Bezeichnung Paartherapeut nahe. Falsch sei sie trotzdem, sagt Barth. "Ein Therapeut arbeitet an der Persönlichkeit. Der Mediator hingegen versucht, einen ganz konkreten Streit zu lösen, auf einer eher rationalen Ebene. Am Ende steht meist eine schriftliche Übereinkunft."

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Politisch, sagt Barth, habe er mit der AfD nichts am Hut

Barths größte Herausforderung besteht darin, den Abspaltern einen Rückweg in die Fraktion ohne Gesichtsverlust zu ebnen. Das dürfte schwierig werden - für viele Beobachter wird in Baden-Württemberg eine Art Stellvertreterkrieg zwischen den Bundesvorsitzenden Meuthen und Frauke Petry ausgetragen.

Wie Barth diesen Streit lösen will, dazu verrät er keine Details. Das gehöre sich nicht, Berufsethos. Nur so viel: Er führe grundsätzlich mit allen Beteiligten Einzelgespräche. "So entsteht schnell eine Vertrautheit, und ich werde mir über die Konfliktlinien klar."

Barth ist Direktor der Akademie für Mediation, Soziales und Recht an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Zudem hat er ein Institut für Kommunikation und Mediation in Leipzig gegründet, wo er auch lebt.

Politisch, sagt Barth, habe er mit der AfD nichts am Hut. Er stehe grundsätzlich keiner Partei nah, habe über die Jahre verschiedene gewählt. Als das Angebot kam, in dem Konflikt der AfD zu vermitteln, habe er dennoch nicht gezögert. "Ich würde das bei jeder demokratischen Partei tun." Anders als bei der NPD. Für die würde er nicht arbeiten, "unter keinen Umständen".

Barth sagt, er habe schon in vielen Konflikten vermittelt - bei mittelständischen Unternehmen und großen Dax-Konzernen, zwischen Kommunalpolitikern, bei der Deutschen Bahn. Ob es ihm auch gelingt, den Streit bei der AfD zu lösen, dazu will er aber keine Prognose wagen. Nach wie vor wirken die Gruppen tief zerstritten, zu dem Skandal um die Äußerungen Wolfang Gedeons gesellte sich zuletzt ein weiterer um ein Hetz-Posting auf der Facebookseite des Kreisverbands Rottweil-Tuttlingen.

Barth sagt: "Es gibt immer Möglichkeiten, Konflikte zu lösen. Ob sie sich realisieren lassen, wird sich erst in den letzten Stunden zeigen. Das ist meine Erfahrung."

Den Versuch jedenfalls lässt sich der Mediator gut bezahlen. Mediatoren erhielten Tagessätze zwischen 500 und 3000 Euro, sagt er. Und dass eine Einigung in wenigen Tagen zu erzielen sei, davon geht Barth nicht aus.

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