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Verteidigungspolitik:Die Nato bekommt ein neues Mitglied

Members of the Macedonian honour guard line up before the welcoming ceremony in Skopje

Mitglieder der mazedonischen Ehrengarde in Skopje.

(Foto: REUTERS)

Die "Republik Nordmazedonien" hat ihren Streit mit Griechenland beigelegt und wird das 30. Mitglied im Verteidigungsbündnis. Was bedeutet der Beitritt? Und wird das Land auch EU-Mitglied? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

"Das war eine lange Reise", sagte Nikola Dimitrov, Außenminister Mazedoniens und wirkte bei der Pressekonferenz im Nato-Hauptquartier in Brüssel sichtlich erfreut. Die Republik Mazedonien, die nach Aussage Dimitrovs bereits in wenigen Tagen in Nordmazedonien umbenannt werden soll, ist am Mittwoch der Aufnahme in die Nato einen deutlichen Schritt näher gekommen. Die Botschafter der 29 Nato-Staaten unterzeichneten in Brüssel das Beitrittsprotokoll für das Land.

Was bedeutet das für Mazedonien?

Voraussichtlich wird das Land damit im Jahr 2020 vollwertiges Mitglied des Verteidigungsbündnisses. Möglicherweise geht es auch schneller - die Nato feiert im Dezember bei ihrem Gipfel in London 70-jähriges Bestehen und das wäre ein passender Rahmen für die Aufnahme eines weiteren Landes. Nach der Unterzeichnung des Protokolls darf der Balkanstaat aber schon jetzt an den meisten Sitzungen des Bündnisses als Beobachter teilnehmen. Bevor Nordmazedonien dann vollwertiges Mitglied wird, müssen alle 29 Nato-Länder den Beitritt auf nationaler Ebene ratifizieren. Es sieht nicht so aus, als würde es bei diesem Prozess Probleme geben. Das größte Hindernis für den Beitritt war der jahrelange Streit mit Griechenland um den Namen "Mazedonien".

Worum genau ging es bei dem Streit?

Griechenland hat den Nato-Beitritt Mazedoniens jahrelang verhindert. Der Grund für den Streit war der Name des Landes, da so auch eine nördliche Region Griechenlands bezeichnet wird. Die Wurzeln der Auseinandersetzung liegen weit zurück, es geht um das Erbe Alexanders des Großen, und seit 1991, als "die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" aus dem Zerfall Jugoslawiens hervorging, waren die Fronten verhärtet.

Erst der linke griechische Premier Alexis Tsipras und Mazedoniens sozialdemokratischer Ministerpräsident Zoran Zaev lösten den Knoten und fanden einen Kompromiss: die Bezeichnung "Republik Nordmazedonien" für das Land nördlich von Griechenland. Gegen vehementen Widerstand der Nationalisten in ihren Staaten brachten Tsipras und Zaev die Namensänderung beziehungsweise deren Anerkennung im Januar durch ihre Parlamente. Athen blockierte damit nicht weiter die Aufnahme Mazedoniens in das Verteidigungsbündnis. Die offizielle Umbenennung in Nordmazedonien soll nach der Ratifizierung des Nato-Beitrittsprotokolls in Griechenland erfolgen. Außenminister Dimitrov lobte am Mittwoch in Brüssel noch einmal ausdrücklich den Einsatz des griechischen Ministerpräsidenten Tsipras für die Beilegung des Namensstreits.

Gibt es Kritik an der Aufnahme Mazedoniens?

Kritik an der Erweiterung der Nato kommt vor allem aus Russland, das dem Westen vorwirft, das Land gegen den Willen des Volkes in das Verteidigungsbündnis zu drängen. Russland beobachtet das Wachstum der Nato schon seit Langem mit Skepsis. Seit dem Ende des Kalten Krieges sind insgesamt 13 Staaten dem Bündnis beigetreten, die meisten davon aus dem ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion. Zuletzt trat 2017 Montenegro als 29. Mitglied der Nato bei. Es ist kein Geheimnis, dass der Beitritt Mazedoniens auch dazu dienen soll, den Einfluss Russlands in der Region einzudämmen. Moskaus letzter Verbündeter auf dem Balkan bleibt damit Serbien. Militärisch gesehen wird Mazedonien auf absehbare Zeit keinen allzu großen Beitrag zur Bündnisverteidigung leisten können. Die Berufsarmee zählte zuletzt gerade einmal 8000 aktive Soldaten.

Wird Nordmazedonien jetzt auch der EU beitreten?

Auch hier war bislang der Namensstreit mit Griechenland ein großes Hindernis. Nachdem die beiden Länder ihren Zwist aber beigelegt haben, stellte die EU Beitrittsgespräche in Aussicht, die schon im Sommer beginnen könnten. Der Prozess ist kompliziert und langwierig, bis zu einem möglichen EU-Beitritt des Landes dürften noch einige Jahre vergehen.

Mit Material der Agenturen

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