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Ehemaliger Premierminister von Italien:Renzi will zurück

Partito Democratico Treffen in Rom Matteo Renzi Roma 13 02 2017 Direzione del Partito Democratico R

Im Moment sieht man den ehemaligen italienischen Premier Matteo Renzi eher in den Klatschspalten. Aber er hofft auf baldige Neuwahlen - und auf einen Erfolg.

(Foto: imago/Insidefoto)

Der italienische Ex-Premier will es allen zeigen, die in ihm einen Verlierer sehen: den politischen Gegnern und den Rivalen in seiner Partei. Er hofft daher auf Neuwahlen, und das lieber früher als später.

Da kommt einer zurück, der eigentlich nie weg war. Matteo Renzi ist den Italienern in den vergangenen zwei Monaten, seit seinem Rücktritt als Premierminister, immer mal wieder in den Klatschheftchen begegnet. Mal sah man ihn mit vollem Einkaufswagen in einem Supermarkt von Pontassieve, seinem Wohnort bei Florenz, vor dem Gestell mit den bunten Geschirrspülmitteln. Mal ließ er sich im Skiurlaub in Val Gardena fotografieren, mit Helm. Auch das politisch interessierte Publikum wurde ständig unterrichtet über die wahren und vielleicht auch nur herbeifabulierten Absichten des jungen Toskaners. Die italienischen Medien führen dafür das Genre der "Retroscena", was wörtlich Hinterbühne bedeutet und auch so gemeint ist: Darin wird verhandelt, was angeblich hinter den Kulissen der Macht passiert und parliert wird. Nicht selten setzen Journalisten dabei Sätze zwischen Anführungs- und Schlusszeichen, die kein Politiker so gesagt hat. Auch von Renzi gab es solche Zitate, jeden Tag.

Er war also nie wirklich weg gewesen, obschon es ihm, der die Vorderbühne liebt, persönlich so vorgekommen sein muss. Nun ist er ganz zurück. In seiner Rolle als Generalsekretär des sozialdemokratischen Partito Democratico, Italiens noch immer größter und zur Zeit tief gespaltener Partei, kann Renzi sein Comeback selber gestalten. Er kann den Kongress vorziehen, Urwahlen anberaumen, Prozesse beschleunigen. Wenn man den Analysten der großen italienischen Zeitungen glauben darf, dann brennt Renzi auf Revanche.

Renzi zeigt sich selbstkritisch

Die Schmach vom 4. Dezember, als die Italiener in einer Abstimmung seine Verfassungsreform überraschend klar mit 59 zu 41 Prozent verworfen haben, schmerzt ihn offenbar wie ein plötzlicher Liebesentzug. Er hatte die Niederlage nicht kommen sehen. Vor Weihnachten soll Renzi sogar darüber nachgedacht haben, ein Jahr zu verreisen, ein Buch zu schreiben oder gleich ganz aufzuhören mit der Politik.

Vielleicht hatte er auch die Worte von Silvio Berlusconi noch im Ohr, der unlängst sagte, Renzi gäbe einen großartigen Fernsehmoderator ab: "Ich würde ihn sofort einstellen." Natürlich schwang in dieser Offerte des Medienunternehmers auch eine boshafte Note mit: Als Politiker hatte sich Renzi, den man für einen strategischen Jungmeister gehalten hatte, zum ersten Mal kolossal verrechnet. "Der 4. Dezember war wie ein Elfmeter", sagte Renzi dem Corriere della Sera in einem selbstkritischen Moment, "und ich habe ihn schlecht getreten, ja grottenschlecht." Malissimo.

Nun möchte er es allen zeigen: den bösen Auguren, die in ihm einen Verlierer ohne Aussicht auf schnelle Erholung sehen; den politischen Gegnern, die ihre Chance wittern; und, vor allem, den internen Rivalen vom linken Parteiflügel, die ihn noch nie leiden konnten und ihn nun gerne "verschrotten" würden, um es mit einem Begriff aus dem Renzianischen zu sagen, seinem eigenen Sprachgebrauch. Letzteren geht es nicht nur um den ideologischen Richtungsstreit, wie er die Sozialdemokratie auch in anderen Ländern durchzieht. Der Zwist lebt von schier abgründiger persönlicher Abneigung.

Elf Strömungen zerren an der Einheit des Partito Democratico, und fast alle leben vom Anti-Renzismus. Mehrheitsfähig wären sie nicht einmal zusammen, aber alle drohen mit ihrer Abspaltung. So halten sie Renzi hin und zermürben ihn, während sein Nachfolger im Regierungspalast, Paolo Gentiloni, das Land bis zum regulären Ende der Legislaturperiode regieren soll. Bis Februar 2018.

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