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Linken-Fraktionschef Gysi:"Ich habe kein Verfallsdatum"

Klausurtagung Linke

Gregor Gysi, der alte und neue Fraktionschef der Linken-Bundestagsfraktion, mit seiner "ersten Stellvertreterin" Sahra Wagenknecht.

(Foto: dpa)

Gregor Gysi bleibt Fraktionsvorsitzender, Sahra Wagenknecht wird ganz allein "erste Stellvertreterin" - das war schon vor der Abstimmung klar. Doch die Linke will es spannend machen und verschanzt sich stundenlang im Sitzungssaal. Am Ende steht ein großes Versprechen.

Hui, was für ein Versprechen: "Wir werden weniger diskutieren", sagt Gregor Gysi während der Pressekonferenz, die die zweitägige Klausurtagung der Partei offiziell beendet. Rechts neben ihm steht Sahra Wagenknecht, dahinter die anderen Mitglieder des neuen Fraktionsvorstands.

"Sie glauben, dass sie sich innerhalb von einer Stunde einigen können?", fragt ein Journalist ungläubig. "Ach, weniger", antwortet Klaus Ernst, Ex-Parteichef und einer der sechs Stellvertreter. Die Frage des Journalisten ist nicht ganz unberechtigt. Denn gerade an diesem Mittwoch hat die Partei mal wieder gezeigt, dass sie dazu neigt, sich im Diskurs zu verlieren - besonders in Personalfragen.

Stundenlang quälen sich Reformer und Parteilinke im brandenburgischen Bersteland durch Diskussionen. Die Abstimmung über den Fraktionsvorstand wird immer wieder verschoben. Dann! Endlich! Kurzer Applaus hinter verschlossenen Türen und die erlösende Nachricht: Gysi ist als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt. Knapp 81 Prozent, ein bisschen schlechter als 2011.

Sahra Wagenknecht wird mit etwa 66 Prozent "erste Stellvertreterin" - drei Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Es ist aber nur ein kleiner Trostpreis. Denn zum zweiten Mal wurde eine Doppelspitze mit ihr verhindert. Gysi hat sich durchgesetzt. Er selbst formuliert das natürlich nicht so. "Ich bin ja nicht der Einzige, der das will", sagt er.

Besänftigung für Reformer und Parteilinke

Das Ergebnis ist keine wirkliche Überraschung. Bereits am Vorabend zur Klausur hatten die führenden Vertreter diese Konstellation als Kompromiss ausgearbeitet, um Reformer und Parteilinke zu besänftigen. Wagenknecht war zwar schon zuvor "erste Stellvertreterin", teilte sich diesen Posten jedoch mit der Frauenpolitikerin Cornelia Möhring. Dietmar Bartsch, der zu den Reformern in der Partei zählt, ist ihr in dem insgesamt elfköpfigen Vorstand als "einfacher Stellvertreter" formal nicht gleichgestellt.

Auch Sahra Wagenknecht signalisierte bereits am ersten Tag, dass die Personalfrage vor der Abstimmung bereits entschieden sei. "Ich habe ja eindeutig gesagt, dass ich das für sinnvoll halten würde, wenn es eine Doppelspitze gäbe", sagte sie in Anspielung auf ein mit ihr geführtes Interview auf Zeit Online. "Trotzdem", fügte sie gereizt hinzu, "finde ich natürlich, muss man aufpassen, dass man Fraktionen nicht zu Zerreißproben bringt, wenn Ultimaten öffentlicher Art im Raum stehen".

Gysi hatte mit Rücktritt gedroht und Wagenknecht damit als Ko-Vorsitzende vereitelt, bevor sie überhaupt kandidieren konnte. Die NRW-Linke drohte daraufhin, einen Antrag einzubringen, die in den Statuten verankerte Doppelspitze auch zu verwirklichen - zog dann jedoch zurück.

Gysi wirkt dann am Mittwoch, dem Tag der Wahl, sehr entspannt. Er trägt statt Hemd und Krawatte einen schwarzen Rollkragenpullover unter dem Cordjackett. Am Morgen hat ihn die Mitteilung erreicht, dass das Bundesverfassungsgericht die Überwachung des linken Landtagsabgeordneten Bodo Ramelow für verfassungswidrig erklärt - eine gute Nachricht für die Partei. Er spricht von einem "wichtigen Tag in unserer Geschichte. Es ist heute ein Schritt zur Gleichstellung unserer Partei vollzogen worden."