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Griechenland:Land unter auf Lesbos

Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos versuchen nach dem Unwetter ihre Zelte zu sichern. Der Regen hat vor allem die Gemeinschaftsunterkünfte beschädigt, die meisten Schlafzelte sind verschont geblieben.

(Foto: Panagiotis Balaskas/AP)

Das provisorische Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel ist vom heftigen Regen schwer getroffen worden. Das Lager winterfest zu machen, dürfte allerdings noch Wochen dauern.

Von Tobias Zick

Am Montag schien wieder die Sonne über Lesbos, der Wind hatte sich gelegt, und das Chaos vom Wochenende begann sich zu lichten. Die Bilder, die auf sozialen Medien zirkulieren, vermitteln einen verheerenden Eindruck von den Zuständen der letzten Tage im Flüchtlingscamp auf der Ägäis-Insel. Die griechischen Behörden haben das Lager dort mit internationaler Unterstützung errichtet, nachdem das überfüllte Camp von Moria im September abgebrannt war. Menschen, die durch knietiefes Wasser waten, Zelte, die im Matsch stehen.

"Es hat vergangene Woche auf Lesbos so stark geregnet wie seit Monaten nicht", bestätigt Theodoros Alexellis, Sprecher des Vor-Ort-Teams des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) auf Lesbos. Der kalte Wind habe zudem mehrere Zeltplanen mit sich gerissen, man wolle jetzt die Zelte mit neuen Planen verstärken. Überschwemmt worden seien glücklicherweise vor allem solche Zelte, die als Gemeinschaftsräume dienten; jene, in denen die Menschen schlafen, seien weitgehend verschont geblieben. "Trotzdem ist die Lage natürlich sehr schwierig", sagt Alexellis.

Für die meisten Flüchtlinge gibt es nach wie vor keine warmen Duschen

Das provisorische Lager ist auf einem ehemaligen Schießübungsplatz der griechischen Armee errichtet worden, der in einer Senke nahe des Meeres liegt. Eine Mitarbeiterin der staatlichen Humanitären Hilfe der Schweiz, die daran mitwirkte, wies bereits Anfang Oktober im Gespräch mit der SZ darauf hin, dass der Grundwasserspiegel unter dem Gelände sehr hoch stehe und der Boden zugleich sehr undurchlässig sei - was im Falle starker Regenfälle zu Überschwemmungen führen könnte.

Für die meisten der derzeit rund 7300 Flüchtlinge in dem Camp gibt es nach wie vor keine warmen Duschen. Alexandros Ragvakas, Sprecher des griechischen Migrationsministeriums, sagte am Montag der SZ, die nötigen Arbeiten seien im vollen Gange; man habe eine Familie, die von den Überschwemmungen besonders betroffen war, an einen sicheren Ort umgesiedelt, und man sei dabei, ein funktionierendes Entwässerungssystem zu schaffen. Wie lange das Camp, das von vornherein als provisorische Lösung deklariert worden war, in der Form überhaupt noch bestehen bleiben werde, könne man nicht sagen.

"Es stimmt, die Behörden arbeiten intensiv am Entwässerungssystem, und sie haben auch schon einige Familien umgesiedelt", bestätigt UNHCR-Sprecher Alexellis. "Aber es sind weiterhin sehr große Anstrengungen nötig." Das Camp einigermaßen winterfest zu machen, werde wohl noch "viele Wochen" dauern.

Apostolos Veizis, Leiter der Einheit für operative medizinische Unterstützung von "Ärzte ohne Grenzen" in Griechenland, verbreitete am Sonntag ein Foto von dem überfluteten Boden vor einem der Zelte. Dazu stellte er kommentarlos ein Zitat von Ursula von der Leyen: Das neue Zentrum werde "anständige Bedingungen für die ankommenden Migranten und Flüchtlinge schaffen", hatte die EU-Kommissionschefin im Herbst erklärt.

© SZ/chrk
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