bedeckt München 21°

Geldwäsche-System:Ein ähnliches System hatte auch Osama bin Laden genutzt

Vereinfacht gesagt funktionierte das System wie eine Waschmaschine: Geld aus legaler aber auch illegaler Herkunft floss in ein Netzwerk von rund 70 Briefkastenfirmen, die von Scheindirektoren geleitet wurden. Es wurde hin und her überwiesen - auch zwischen verschiedenen Konten ein- und derselben Firma. Der Überweisungszweck wurde offenbar oftmals frei erfunden, es finden sich Beispiele wie "Obst und Gemüse", "Baumaterial" oder gar "gefrorener Hering". In zahlreichen Fällen wurden die Waren mutmaßlich nie gehandelt oder gar geliefert.

Dies ist ein gängiger Trick zur Geldwäsche: "Man tarnt eine illegale Zahlung, indem man so tut, als wäre sie mit einer Warensendung verbunden", sagt die Kriminalitätsexpertin Louise Shelley vom Forschungszentrum Terrorism, Transnational Crime and Corruption Center (TraCCC). Al-Qaida-Gründer Osama bin Laden habe ein ähnliches System genutzt, um Geld zu transferieren. Die Briefkastenfirmen funktionierten wie eine Geld-Pipeline von Russland in den Westen, ein Service zugeschnitten auf reiche Russen und deren Geschäfte.

Am Ende wurden mit Geld aus dem Troika Laundromat etwa Immobilien in Großbritannien, Spanien und Montenegro gekauft, dazu Luxusyachten, Jets und Kunst. Auch die Gebühren teurer Privatschulen und Krankenhausaufenthalte wurden beglichen. Sogar eine Wohltätigkeitsorganisation, die von Prinz Charles geleitet wird, erhielt Geld. Es handelte sich offenbar um Spenden von Ruben Vardanyan. "Die Wohltätigkeitsorganisationen des Prince of Wales agieren bezüglicher sämtlicher Fundraising-Entscheidung unabhängig vom Prinzen selbst", teilte das Büro des Thronfolgers dem Guardian mit.

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des OCCRP floss auch Geld von bekannten Kriminalfällen an Firmen der Geldwaschmaschine. Rund 80 Millionen Dollar stammten demnach aus jenem Betrug, den der später unter mysteriösen Umständen gestorbene Anwalt Sergej Magnitski aufgedeckt hatte. Auch Firmen, die in einen Millionenbetrug am Moskauer Flughafen Scheremetjewo verwickelt sein sollen, zahlten Geld an Unternehmen des Laundromats. Eine der Firmen, auf welche die Beute verteilt wurde, war laut Gerichtsdokumenten die Firma "Meister Developers" mit Sitz auf der Karibikinsel St. Lucia. Zwar wird die Firma in den Dokumenten, vermutlich wegen eines Tippfehlers, fälschlich "Meister Developes" genannt, also ohne das "r" am Ende. Eine Firma mit diesem Namen findet sich jedoch in keinem zugänglichen Firmenregister.

Von einem Konto der Meister Developers flossen wiederum mehr als 29 Millionen Dollar auf Konten der Firma eines Steuerberaters aus dem Raum München - angeblich als Bezahlung, beispielsweise für Tausende Drucker sowie Tonerpackungen. Der Steuerberater erklärte in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, die Konten und die Firma nur als Treuhänder für einen russischen Papierhändler verwaltet zu haben. Dieser erklärte, mit Meister Developers keine Geschäfte gemacht zu haben. Beide sagten, dass weder sie noch ihre Firma jemals mit Druckern oder Toner gehandelt hätten. Der Treuhänder erklärte, seine Unterschrift sei gefälscht worden.

Auch von Konten der Deutschen Bank waren Überweisungen im hohen einstelligen Millionenbereich an die Karibikfirma geflossen. Insgesamt gingen zwischen spätestens 2003 und mindestens April 2017 Überweisungen in Höhe von mehr als 889 Millionen US-Dollar von Konten der Deutschen Bank an Konten des Troika Laundromat. Ohne auf die konkreten Überweisungen einzugehen, erklärte ein Sprecher der Bank, man arbeite "stets mit Behörden und Regulatoren weltweit kooperativ zusammen".

Lesen Sie mit SZ Plus die Reportage:
Geldwäsche Die Russen kommen

Geldwäsche

Die Russen kommen

Ein sonderbar ratloser Steuerberater im schönen Oberbayern und sein Konto mit zig Millionen Euro: eine ganz reale Posse zum Thema Geldwäsche.   Von Hannes Munzinger, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer