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Langwierige Kanzlerkandidaten-Kür der Sozialdemokraten:SPD in der Kandidaten-Falle

Die Troika der SPD-Kanzleranwärter Steinbrück, Steinmeier und Gabriel - in politischer Not erfunden - hat ihren Reiz längst verloren. Der Vorsitzende lehnt eine schnelle Kür trotzdem ab. Doch weil sich die Entscheidung hinzieht, müssen sich die drei Herren immer wieder anhören, keiner von ihnen habe Mut und Lust, gegen die unverändert populäre Kanzlerin anzutreten.

Auch wenn es offiziell nicht auf der Tagesordnung steht: Die Kanzlerkandidatenfrage dürfte bei dem Treffen des SPD-Bundesvorstands an diesem Montag wohl zur Sprache kommen. Gut möglich, dass der Vorsitzende Sigmar Gabriel die jüngsten Aufregungen um eine Vorentscheidung zugunsten von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück selbst anspricht, auch wenn sich sein Zorn vom Wochenende mittlerweile verzogen haben dürfte.

SPD-Parteitag

Die SPD-Troika mit Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und und Frank-Walter Steinmeier (von links): Vor einer Lösung in der Rentenfrage soll das K-Thema tabu sein.

(Foto: dpa)

Gabriel hatte am Freitag bei einer SPD-Veranstaltung über die Herausforderungen der Kommunalpolitik reden wollen. Dieses zweifellos bedeutsame Thema interessierte breite Teile seiner Partei und der Öffentlichkeit aber deutlich weniger als die Frage, ob Steinbrück tatsächlich bereits als Herausforderer feststehe. Gabriel schäumte und ließ intern wissen, dass er von SPD-Politikern oder deren Gefolgsleuten keine öffentlichen oder halböffentlichen Äußerungen mehr zu dieser heiklen Personalie hören wolle. Offiziell beschied der Vorsitzende: "Die Personalfragen kommen nach der Programmatik. Wenn die Programmatik entschieden ist, kommt die Person." Vor einer Lösung in der Rentenfrage - mithin vor dem kleinen SPD-Parteitag am 24. November - soll das K-Thema tabu sein.

Dieser Wunsch Gabriels wird aber kaum in Erfüllung gehen. Denn die SPD mitsamt ihrem Trio der Vielleicht-Herausforderer Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück sitzt inzwischen in der Kandidaten-Falle. In den vergangenen Monaten mussten sich die drei Herren immer wieder anhören, keiner von ihnen habe Mut und Lust, gegen die unverändert populäre Kanzlerin anzutreten. Wenn einer aus dem Dreigestirn aber Lust am Spitzenamt zeigt oder solche Lust kolportieren lässt, so wie zwischenzeitlich Steinmeier oder Steinbrück jetzt und vergangenes Jahr, ist es ebenfalls nicht recht.

Die Troika, erfunden von Gabriel 2011 in politischer Not und zunächst erfolgreich, hat ihren Reiz längst verloren und wächst sich zur Belastung aus. Auch deshalb sind in der SPD-Spitze Pläne, den Herausforderer erst nach der niedersächsischen Landtagswahl zu küren, schon im Sommer aufgegeben worden.

Die Herausforderer-Frage ist nach Angaben zuverlässiger Gewährsleute ungeachtet aller Spekulationen und Gerüchte auch intern noch nicht entschieden. Das entscheidende Gespräch, bei dem sich die drei zusammensetzen und beschließen, wer es denn nun werden soll, hat diesen Informationen zufolge noch nicht stattgefunden. Allerdings ist auch von einem "unausgesprochenen Einverständnis" der drei die Rede, wonach Steinbrück antreten soll.

Der Ex-Finanzminister ist nach Einschätzung namhafter Steinmeier-Anhänger der Favorit, auch der Gabriels. "Es läuft auf Steinbrück zu", sagt einer von ihnen. Deshalb war die Aufregung am Freitag so groß. Denn anders als Steinmeier hat Steinbrück im SPD-Apparat etliche Kritiker und erbitterte Gegner. Und die, so fürchtet man in der Parteiführung, werden gegen den Ex-Finanzminister Stimmung machen, auch programmatisch. Etwa in der umstrittenen Rentenfrage, in der Steinbrück zwar zu Konzessionen, nicht aber zu einer grundsätzlichen Abkehr von den Rentenreformen der rot-grünen und rot-schwarzen Regierungsjahre bereit ist.