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Langjähriger Neonazi Michael Fischer:Fischer: "Daher würde ich nicht sagen, dass ich das bereue"

[] Michael Fischer war noch am 1. Mai auf einer NPD-Demo in Neubrandenburg aktiv, sagte Julian Barlen zur SZ. Der SPD-Landtagsabgeordnete ist die treibende Kraft hinter dem Infoportal "Endstation Rechts" und "Storch Heinar". Da das rechtsextreme Portal MUPinfo Fischer nach wie vor als "Nationalisten" bezeichnet, hält Barlen einen plötzlichen Ausstieg des Drygalla-Freundes für eher unwahrscheinlich. "Normalerweise haben Aussteiger in der rechtsextremen Szene den Status von Verrätern, die nicht selten psychisch und physisch unter Druck gesetzt werden." Es ist nicht bekannt, dass Fischer irgendwelchen Anfeindungen bisheriger rechtsextremer Freunde ausgesetzt ist.

[] Im Gegenteil: Der NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern motzte in einer Pressemitteilung am 3. August mit Blick auf den Fall Drygalla über eine angebliche "Gesinnungsdiktatur" und nennt Fischer einen "nationalen Aktivisten". Der langjährige NPD-Chef Udo Voigt regte sich in einem Beitrag für das rechtsextreme Portal Altermedia über den Fall Drygalla auf und wetterte gegen "Systemknechte". Holger Apfel, der aktuelle NPD-Vorsitzende, beklagte auf Facebook "Sippenhaft", das sei "nur noch krank". Nach SZ-Informationen stilisieren Fischers Facebook-Freunde Drygalla in dem sozialen Netzwerk inzwischen zur "Märtyrerin der Freiheit" - wohlgemerkt gegen den Willen der Athletin.

[] Auf MUPinfo, das NPD-Landesvize Petereit betreibt, wird Fischer in einem Bericht vom 3. August über die Causa Drygalla weiterhin als "Rostocker Nationalist" und auch als "sogenannter 'Neonazi'" bezeichnet.

Zumindest ein Indiz gibt es, das für eine Distanzierung Fischers von der braunen Szene spricht: So hostet die Domain "NSRostock.de", die Fischer gehört, inzwischen nicht mehr die Seiten der "Nationalen Sozialisten Rostock". Auf der Startseite wird allerdings auf die aktuelle Webpräsenz der Organisation verwiesen.

Fischer selbst hat sich zu seinem vermeintlichen Gesinnungswandel und seinen NPD-Austritt noch nicht öffentlich geäußert. Eine entsprechende E-Mail-Anfrage der SZ hat er bislang nicht beantwortet, telefonisch ist er nicht erreichbar.

Nachtrag 15.36 Uhr: Inzwischen hat sich Michael Fischer im Gespräch mit der dpa geäußert. Er sei vor den Olympischen Spielen in London "den Schritt gegangen, mit der Sache abzuschließen, dass ich Neonazi bin". Die Folgen seiner Taten in der rechten Szene habe er für sich selbst bewusst in Kauf genommen, sagte Fischer. "Daher würde ich nicht sagen, dass ich das bereue. Aber ich habe insbesondere Nadja nie einen Gefallen getan, insofern wäre es besser gewesen, wenn ich es nie gemacht hätte." Dass er auf der rechtsextremen Internetseite immer noch als Redaktionsmitglied geführt wird, begründet er damit, dass sein Parteiaustritt ein schleichender Prozess gewesen sei: "Ich habe mich ja nicht an einem Tag hingestellt und gesagt: Jungs, ich trete aus der Partei aus, ab jetzt seht ihr mich nicht mehr." In Zukunft wolle er nicht mehr für die Seite schreiben.

Hier der Link zur vollständigen Meldung über die Äußerungen Fischers.

© Süddeutsche.de/joku/lala

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