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Landtag - Mainz:Zahl der Frauen bei "Soforthilfe nach Vergewaltigung" steigt

Mainz (dpa/lrs) - Insgesamt 50 Frauen haben in den Jahren 2018 und 2019 die Hilfe des Modellprojekts "Soforthilfe nach Vergewaltigung" in Anspruch genommen. Im ersten Jahr seien es an den bis dato zwei Standorten in Mainz und Worms 20 Frauen gewesen, im zweiten Jahr dann 30, sagte Frauenministerin Anne Spiegel (Grüne) am Donnerstag im rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz.

Bei dem Projekt können sich Frauen und Mädchen ab 14 Jahren nach einer Vergewaltigung untersuchen und auf Wunsch Spuren sichern lassen, ohne die Straftat unbedingt anzeigen zu müssen. Spiegel bekräftigte die Absicht, Anlaufstellen flächendeckend etablieren zu wollen. Im Januar sei ein Angebot in Trier dazugekommen, hier arbeiteten der Frauennotruf und das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen zusammen. Im April starte dann eine Kooperation des Koblenzer Frauennotrufs mit dem Klinikum Kemperhof.

Keine der betreuten Frauen sei gezwungen worden, Anzeige zu erstatten oder Spuren sichern zu lassen, betonte die Ministerin. "Die medizinische Soforthilfe steht bei dem Projekt klar im Vordergrund." Die Möglichkeit, Spuren an der Mainzer Rechtsmedizin aufbewahren zu lassen, gebe Betroffenen aber Zeit, sich später zu entscheiden.

Die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Ellen Demuth, verwies auf die in der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2018 gestiegenen Zahlen zu Gewalt in engen sozialen Beziehungen und zu Vergewaltigungen. Spiegel sagte, das Thema bleibe eine Herausforderung und sei nach wie vor stark tabuisiert. "Das Erleben sexueller Gewalt ist in der Regel stark mit Scham besetzt."

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