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Bundeswehr:Umbau des KSK ist mutig und unverzichtbar

Members of German army Bundeswehr Special Forces Command (KSK) arrive for a skills demonstration in Claw near Stuttgart

Vor einer Neuordnung: Soldaten des KSK vor einer Trainingseinheit am Standort Calw (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Nach neuen rechtsextremen Vorfällen bekommt das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr einen radikalen Neuanfang verordnet. Doch auch die Gesellschaft muss sich fragen, wie sie zur Bundeswehr stehen will.

Kommentar von Stefan Braun, Berlin

Nicht erst der letzte Einzelfall ist einer zu viel gewesen. Es hat schon davor viel zu viele Fälle gegeben, in denen Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit rechtsradikalen Gedanken und gefährlichen Waffenansammlungen auffielen. All das geschah unter den Augen von Vorgesetzten, die es erschreckend ignorant begleiteten. Die Rede ist von Vorgesetzten, die zuschauten, beschwichtigten, manchmal sogar mitmachten. Aus diesem Grund ist es so richtig wie wichtig, dass die Verteidigungsministerin dem nun mit einer umfassenden Neuaufstellung begegnet. Hier ein bisschen bohren, dort ein bisschen entlassen - das hätte nicht mehr gereicht, dem bedrohlich groß gewordenen Problem Herr zu werden.

Das Kommando Spezialkräfte ist nicht irgendein Teil der Truppe. Es handelt sich um die Elite der Bundeswehr. Das sehen und erleben die Soldaten nicht nur selbst so, sondern auch viele Bürger, die diese Armee nur von außen betrachten. Daraus ergab sich seit der Aufstellung des KSK 1996 ein besonderer Auftrag und eine besondere Verantwortung. Nämlich als Spezialeinheit eines demokratischen Deutschlands aufzutreten. Wenn sich ausgerechnet hier rechtsradikale Tendenzen ausbreiten, ist das kein Unfall; es ist für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Bundeswehr eine Katastrophe, die größer kaum sein könnte.

So gesehen hat Annegret Kramp-Karrenbauer vielleicht ein bisschen zu lange zugesehen, aber jetzt die angemessene Konsequenz gezogen. Teilabschaffung, Neuaufstellung - das muss nicht gelingen und ist doch der einzig richtige Weg, um klarzumachen, das Inakzeptables endlich nicht mehr akzeptiert wird. Neuanfang ist dabei fast ein schwaches Wort. Aber es macht eines deutlich: Was gewesen ist, muss ab jetzt vorbei sein.

Wenn Teile der Elitetruppe derart abgekapselt agieren und politisch abdriften konnten, muss allerdings noch mehr geschehen. Regierung, Parteien und Gesellschaft müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sie zur Bundeswehr stehen. So fatal die rechtsradikalen Auswüchse sind, so fatal ist die Tatsache, dass das Land sein Verhältnis zur Bundeswehr nie geklärt hat.

Einerseits wird die Armee seit Jahrzehnten in zahlreiche Auslandseinsätze geschickt; andererseits wollen die allermeisten damit bis heute nichts zu tun haben. Ja, es gibt manche Expertin und manchen Experten, die die Bundeswehr und ihre Einsätze angesichts der realen Lage auf der Welt verteidigen und für gut befinden. Aber es gibt bis heute viel zu viele, die immer dann, wenn es konkret wird, den Blick abwenden. Natürlich muss Deutschland besonders verantwortungsvoll mit dem Instrument einer Armee umgehen. Aber das darf nicht zu diesem Ausmaß an Desinteresse führen, das sich im Land breitgemacht hat.

Die Soldaten spüren das. Und sie spüren es schon lange. Sie spüren, dass es selbst im Bundestag zur sogenannten Parlamentsarmee wenig emotionale Bindung und noch weniger echte Unterstützung gibt. Sie spüren, dass die meisten Menschen in Deutschland die Welt da draußen am liebsten ignorieren würden. Und sie haben schon lange das Gefühl, dass sie zwar in immer gefährlichere Krisen geschickt werden, aber immer weniger ehrliche Rückendeckung erhalten. Das rechtfertigt zu keiner Sekunde, dass Soldaten in rechtsradikale Sphären abdriften. Aber es befördert eine Entfremdung zwischen Armee und Bevölkerung, in der Frust und Zorn wachsen.

Der radikale Neuanfang für das KSK ist deshalb nur eine von zwei nötigen Antworten. So schwer es auch fallen mag, Annegret Kramp-Karrenbauer, die gar nicht mehr so neue Verteidigungsministerin, muss noch etwas Zweites leisten: Sie muss der Politik, den Parteien, auch der Kanzlerin und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Denn so, wie der Umgang mit der Bundeswehr bisher ist, darf er nicht bleiben. Sonst wird nichts wirklich gut werden, nicht für das Land und nicht für seine Soldatinnen und Soldaten.

© SZ/hum/cat
Annegret Kramp-Karrenbauer in Afghanistan

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