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US-Angriff in Syrien:Darum birgt Trumps Entscheidung so viele Risiken

Kurzfristig mag Trump dieser Schritt nutzen, doch mittel- und langfristig sind die Risiken enorm. In der kommenden Woche reist Außenminister Rex Tillerson nach Moskau, um Wladimir Putin zu treffen - Russlands Präsident ist erzürnt über den Angriff und wird keinem Deal zustimmen, die den eigenen, zuletzt gewachsenen Einfluss in Nahost und die dortige Militärbasis gefährdet.

Die Probleme hören hier nicht auf, wie David Sanger in der New York Times betont: Wenn Trump es sich nun zum Ziel setzt, Assad aus dem Amt zu jagen, dann hält ihn das von seinem eigentlichen Wahlversprechen ab: Die "Vernichtung" der IS-Miliz. Und die außenpolitisch recht stümperhaft agierende Trump-Regierung hat keine Pläne, wie eine Friedenslösung für Syrien aussehen könnte. Dass Trump in seiner Ansprache die Verbündeten aufgerufen hatte, setzt ihn ebenfalls unter Druck: Wenn daraus nichts wird, leidet sein ohnehin angekratztes Image des "Dealmakers".

Die Folgen für Trumps innenpolitische Agenda sind noch schwer abzusehen: Sollte sich der US-Präsident mehr um Syrien und den Nahen Osten kümmern müssen, bleibt ihm weniger Zeit, in Washington für seine Ziele - vor allem Steuerreform und Infrastrukturpaket - zu werben. America First verkommt dann zur Floskel.

Wie er den Widerspruch zu seinen Wahlkampfversprechen (kein Militärengagement in Nahost) erklären wird, ist weiter offen. Mit Freude werden bereits alte Trump-Tweets hervorgeholt. 2013 bezeichnete er ein US-Engagement in Syrien als Verschwendung von Milliarden und 2012 spottete er, dass Obama wegen seiner schlechten Umfragewerte sicher bald einen Militärschlag befehlen werde.

Manche Verschwörungstheoretiker wenden sich wütend ab

Einige seiner treuesten Unterstützer am äußersten rechten Rand sind völlig erbost über die Syrien-Intervention. Sie verweisen darauf, dass Hillary Clinton wenige Stunden vor dem Abfeuern der Tomahawks exakt diese Reaktion gefordert hatte. Dies sind Leute, die unter #SyriaHoax die Verschwörungstheorie verbreitet haben, dass das Assad-Regime gar nicht für die Chemiewaffen-Attacke verantwortlich sei.

Laut Buzzfeed sind viele Pro-Trump-Foren auf diversen Webseiten gerade ziemlich gespalten in ihrer Beurteilung und auch das einflussreiche Breitbart News scheint noch unentschlossen: Momentan sind dort vor allem Agenturmeldungen zu lesen.

Diese verhaltene Reaktion zeigt auch, wie hoch das Risiko ist, dass Donald Trump in dieser Woche eingegangen ist. Es ist eine Entscheidung, die seine Präsidentschaft prägen wird - fraglich ist nur, in welche Richtung.

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