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Krieg in Libyen:Obama und Cameron wollen Druck auf Gaddafi erhöhen

"Er muss gehen": Solange der libysche Machthaber Gaddafi nicht aufgibt, wollen die USA und Großbritannien die Einsätze fortsetzen. Eine bestimmte militärische Option kommt für beide aber nicht in Frage.

Die USA und Großbritannien wollen so lange die Militäroperation in Libyen fortsetzen, bis Machthaber Muammar al-Gaddafi seine Angriffe auf die Zivilbevölkerung einstellt. Dies sagten US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron am Mittwoch in London.

"Der Präsident und ich sind uns einig, dass wir mehr Druck machen sollten", sagte Cameron. "Er muss gehen", fügte er mit Blick auf Machthaber Gaddafi hinzu.

Obama räumte ein, die Nato-Luftangriffe hätten nur eine "begrenzte" Wirkung gezeigt. Er erklärte es allerdings für ausgeschlossen, dass US-Soldaten "den Stiefel auf den Boden" Libyens setzten. Die libysche Opposition müsse den Kampf am Boden führen, die Alliierten müssten die Unterstützung aus der Luft sichern. Er sprach sich für eine bessere Kooperation der Nato-Kräfte mit den libyschen Rebellen aus. Es müsse mindestens erreicht werden, dass Gaddafi nicht länger unschuldige Zivilisten töten oder bedrohen könne.

Unterdessen verstärkte die Nato ihre Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis. Die Angriffe am Dienstagabend seien die schwersten seit mehr als zwei Monaten gewesen, teilte das Militärbündnis am Mittwoch mit.

Tripolis wurde am späten Abend innerhalb von zehn Minuten von sechs lauten Explosionen erschüttert. Bereits 24 Stunden zuvor hatte die Nato massiv Angriffe geflogen und dabei auch eine Wohnanlage von Gaddafi ins Visier genommen. Nach libyschen Angaben wurden dabei 19 Menschen getötet. Die libysche Nachrichtenagentur Jana meldete, bei den Nato-Angriffen sei auch eine Moschee getroffen worden. Dafür lag zunächst keine offizielle Bestätigung vor. Die Nato hat die Angriffe, angeführt von Frankreich, Großbritannien und den USA, am 19. März nach einem Beschluss des UN-Sicherheitsrates begonnen.

Unterdessen werden auch die diplomatischen Bemühungen für eine Lösung des Konflikts in dem Land verstärkt. Die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) wollen bei einem Treffen diese Woche über einen Ausweg aus der Krise beraten. Im südafrikanischen Rundfunk wurde unter Berufung auf libysche Kreise zudem berichtet, Präsident Jacob Zuma werde nächste Woche nach Tripolis reisen, um dort mit Gaddafi über einen Ausweg zu beraten. Zumas erster Vermittlungsversuch im April war allerdings gescheitert. Auch Vertreter der Afrikanischen Union (AU) wollten noch im Laufe des Tages in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zusammenkommen, um über die Lage in Libyen zu beraten.

Die französische Zeitung France Soir berichtete, Gaddafi sei es leid, einen Bürgerkrieg zu führen und würde zurückgetreten, vorausgesetzt er dürfe in Libyen bleiben. Dem Bericht zufolge laufen hinter den Kulissen seit Wochen Gespräche mit Vertretern aus westlichen Ländern, darunter Frankreich. Öffentlich hat Gaddafi mehrfach gesagt, er werde bis zum Tod weiterkämpfen.

© dapd/dpa/Reuters/beu/dmo
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