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Konflikt im Donezk-Becken:Was die Ostukraine von der Krim unterscheidet

A pro-Russian armed man looks on near the mayor's office in Slaviansk

Besorgter Bürger oder Mitglied eines russischen Spezialkommandos? Ein finster dreinblickender Bewaffneter steht in unweit eines Regierungsgebäudes in Slawjansk.

(Foto: REUTERS)

Erst die Krim, jetzt der Osten? Wieder stürmen prorussische Kämpfer ukrainische Gebäude und verlangen ein Referendum. Steckt Moskau dahinter? Dafür gibt es deutliche Anzeichen. Aber diesmal könnte die Annexion deutlich schwieriger werden.

Akteure und Interessen im Überblick. Von Hannah Beitzer und Michael König

Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es. Und doch gleichen sich die Bilder: Hochgerüstete Kämpfer ohne Hoheitszeichen stürmen öffentliche Gebäude. Sie hissen die russische Flagge. Außer einem Referendum, einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Region, stellen sie keine konkreten Forderungen. So geschehen am Wochenende in Städten der Donbass-Region wie Slawjansk und Kramatorsk im Osten der Ukraine. Die Ähnlichkeit zur Übernahme der ukrainischen Halbinsel Krim durch russische Separatisten ist frappierend. Wieder scheint es, als hätte die Übergangsregierung in Kiew, als hätte der Westen wenig entgegenzusetzen. Und doch gibt es große Unterschiede.

Will Russland einen weiteren Teil der Ukraine abspalten?

Zumindest der Westen ist sich da sicher und protestiert: Die Geschehnisse auf der Krim dürften sich nicht im Osten der Ukraine wiederholen, mahnt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. "Das erneute Auftauchen von Männern mit speziellen russischen Waffen und identischen Uniformen ohne Abzeichen, wie sie während Russlands illegaler Besitzergreifung der Krim getragen wurden, ist eine sehr ernste Entwicklung", erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Der schwedische Außenminister Carl Bildt geht noch weiter, er schreibt auf Twitter: "Das wäre ohne Russland nicht passiert."

Vor allem die identischen Sturmgewehre und Uniformen der prorussischen Kämpfer lassen Bildt vermuten, dass eindeutig Moskau hinter der Besetzung öffentlicher Gebäude steckt.

Ähnliche Vorwürfe waren schon bei der Besetzung der Krim laut geworden. Westliche Journalisten wollen Ähnlichkeiten der Separatisten dort mit den Kämpfern in Slawjansk oder Kramatorsk ausgemacht haben:

Russland bestreitet jedoch, mit den Vorgängen etwas zu tun zu haben. Bei den Angreifern handle es sich um "Bewohner des Südostens", die von der Politik Kiews "zur Verzweiflung getrieben" worden seien, sagt Außenminister Sergej Lawrow. Seine Kritiker sehen auch darin eine Parallele: Als die Krim besetzt wurde, sprach Lawrow von besorgten Bürgern, die öffentliche Gebäude und Kasernen besetzt hätten. Gegenüber westlichen Journalisten gaben sich diese aber durchaus als russische Soldaten zu erkennen.

Was die Donbass-Region von der Krim unterscheidet

Die Angliederung der Halbinsel an Russland war für Moskau aus mehreren Gründen relativ leicht zu bewerkstelligen: In Sewastopol, der größten Stadt auf der Krim, ist seit jeher die russische Schwarzmeerflotte stationiert, die militärische Präsenz war also gesichert. Zudem waren weite Teile der Krim-Bevölkerung für die Annexion, wie nicht nur das Referendum zeigte, bei dem 95 Prozent für die Vereinigung mit Russland stimmten, wenn auch unter dem Eindruck russischer Besatzungstruppen. Auch Meinungsumfragen gaben diese Stimmung wieder. Sie hat historische Gründe, nachzulesen in diesem SZ-Artikel.

In der Region rund um Donezk ist die Lage weniger eindeutig, erklärt etwa der Politikwissenschaftler Andreas Umland, Dozent an der Universität Kiew, im Interview mit dem Deutschlandfunk: "Da sind die ethnischen Russen eine Bevölkerungsminderheit, und auch die Unterstützung für Separatismus liegt dort unter 20 Prozent, beziehungsweise unter zehn Prozent. Deswegen sind die Chancen auf eine Abspaltung dort andere."

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