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Klimaschutz in den USA:Obamas Minimallösung zur Heilung der Erde

Für viele Amerikaner klingt Umweltschutz nach Jobvernichtung. Erst jetzt, da sich die Konjunktur erholt, sieht Obama überhaupt Spielraum für seine Minimallösung. Wollte der US-Präsident als globales Vorbild dienen, müsste er Amerikas notorische Ressourcenverschwendung viel unerbittlicher eindämmen.

Ein Kommentar von Nicolas Richter, Washington

Barack Obama hat einmal angekündigt, den Anstieg der Ozeane zu bremsen und die Erde zu heilen. Daraufhin sagte sein einstiger Rivale Mitt Romney den Amerikanern: Obama verspricht, die Meere zu bändigen, ich verspreche, Ihnen und Ihren Familien zu helfen. Das sagt eigentlich schon alles über Amerikas Verhältnis zum Klimaschutz.

Inzwischen spricht Obama zwar nicht mehr wie ein Messias, aber immerhin wie ein Präsident, der seine - sehr engen - Spielräume nutzt. Weil er das Parlament dafür nicht braucht, zwingt er Amerikas steinzeitliche Energie-Industrie jetzt endlich dazu, ihre schmutzigen Schlote wenigstens ein bisschen zu säubern.

Aus internationaler Sicht freilich ist das viel zu wenig und viel zu spät: Wollte Obama als globales Vorbild dienen, müsste er Amerikas notorische Ressourcenverschwendung viel unerbittlicher eindämmen.

Allerdings leben die Amerikaner in Klimafragen leider noch immer in einer anderen Zeit als etwa die Deutschen. Für viele klingt Umweltschutz nach Jobvernichtung. Erst jetzt, da sich die Konjunktur erholt, sieht Obama überhaupt Spielraum für seine Minimallösung. Er wird mit der Industrie um jeden Grenzwert kämpfen müssen, am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden. So gesehen kann Obama froh sein, wenn er am Ende seiner Amtszeit überhaupt ein rechtlich belastbares Regelwerk hinterlässt. Die Erde aber ist deswegen noch lange nicht geheilt.

© SZ vom 26.06.2013/rela

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