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Kirchenbau im muslimischen Bahrain:Vatikan auf Expansionskurs

Eine Kathedrale in Bahrain soll zur neuen Zentrale der katholischen Kirche für die Arabische Halbinsel werden. Der Golfstaat will sich weltoffen zeigen, immerhin haben viele Gastarbeiter einen christlichen Glauben. Doch die Muslime im Land laufen Sturm gegen das Projekt.

Es erinnert an den deutschen Moscheenstreit: Der Vatikan will im muslimischen Golfstaat Bahrain eine gewaltige Kathedrale bauen, groß wie ein Einkaufszentrum. Radikale Muslime protestieren, sehen das Projekt als Entweihung des ihnen angeblich heiligen arabischen Bodens und als Bruch mit ihrer eigenen Kultur. Der König des kleinen Landes, das seit 2011 durch einen Aufstand immer unruhiger geworden ist, bleibt bisher hart: Die Kirche wird weiter gebaut. Denn der König betrachtet das Gotteshaus als "Beweis für die religiöse und kulturelle Offenheit Bahrains".

kirchenbau in bahrain

Die Mehrheit der Gastarbeiter in Bahrain kommt aus Asien. Unter ihnen sind Christen aus Ländern wie den Philippinen, Indien oder Ägypten.

(Foto: AP)

Es soll das größte christliche Gotteshaus am Persischen Golf werden: Der Vatikan will die Anlage in dem Inselstaat zu seiner Zentrale auf der Arabischen Halbinsel machen. Rom will von Bahrain aus einen neuen apostolischen Seelsorgebezirk verwalten, bestehend aus Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und Kuwait. Die Golfregion selbst ist zwar muslimisch, aber unter der großen Zahl an Gastarbeitern aus asiatischen Ländern sind Millionen Christen.

68 islamische Religionsgelehrte hatten nun gegen das Kathedralenprojekt in einem Brief an König Hamad bin Issa bin Salman al-Khalifa protestiert, wie AP berichtete. Der Prediger Adel Hassan al Hamad hatte in der Freitagspredigt gewettert: "Wer sagt, dass eine Kirche ein Ort der Gottesverehrung sei, hat den wahren Glauben verlassen." Der König dürfe nur den Islam unterstützen, der sei "viel wertvoller" als das Christentum. Die Regierung vertrieb den Eiferer aus seiner eigenen Moschee, aber der Prediger blieb nicht lange weg: Nach Protesten anderer Geistlicher und einem Aufruhr im Internet gab das Königshaus klein bei und gestattete ihm die Rückkehr. Die Kirche soll aber gebaut werden, das Land dafür hat der Monarch gespendet.

Die Kirche wird zum Politikum

Für Bahrains Führung ist der Streit ein politisches Problem. Einerseits will das rohstoffarme Land international attraktiv sein als Banken- und Dienstleistungszentrum. Ein Kirchenverbot passt da nicht ins Bild, mehr als 35 Kirchen gibt es bereits. Andererseits ist das Land seit 2011 in Aufruhr. Der Aufstand der schiitischen Bevölkerungsmehrheit wurde zwar zusammengeschossen. Umso mehr bleibt das sunnitische Königshaus auf die eigenen Leute angewiesen: Kritik von der Seite radikaler Sunniten-Prediger kann dem Monarchen gefährlich werden. Und auch die Schiiten protestieren gegen die Vatikan-Zentrale. Sie fordern politische Reformen für sich statt Gotteshäuser für Ausländer.

In den Golfstaaten gibt es praktisch keine einheimischen Christen, sondern nur Sunniten und Schiiten. Die Ölstaaten sind aber auf Gastarbeiter angewiesen. Die eigene Bevölkerung ist zu klein, bestimmte körperliche Arbeiten werden abgelehnt, außerdem werden mangels Qualifikation ausländische Experten und Manager gebraucht. Die Mehrheit der Gastarbeiter kommt aus Asien. Unter ihnen sind Christen aus Ländern wie den Philippinen, Indien oder Ägypten.

Strenge und nicht so strenge Nachbarn

Am strengsten sind die Verhältnisse in Saudi-Arabien: Im Heimatland des Propheten Mohammed, wo der Islam entstand, gibt es keine Kirchen. Kreuze und andere christliche Symbole dürfen nicht zur Schau gestellt werden. Radikale Muslime behaupten sogar, Nicht-Muslime dürften das Königreich nicht betreten. Nach allgemeiner Auffassung gilt dies aber nur für die heiligen Städte Mekka und Medina. Al-Qaida-Chef Osama bin Laden hatte dem saudischen Königshaus jedoch vorgeworfen, mit der Stationierung von US-Truppen im Kuwaitkrieg gegen Saddam Hussein das Land beschmutzt zu haben.

Andere Golfstaaten sind toleranter: So gibt es im Emirat Katar eine Kathedrale für die asiatischen Gastarbeiter. Auch die Lage der einheimischen Christen in der Region wird immer schwieriger. Aus Irak sind große Teile der Gemeinden der verschiedenen nahöstlichen Kirchen geflohen. Sie waren von Sunniten verfolgt worden. In Syrien stehen viele Christen als Minderheit notgedrungen auf der Seite des Assad-Regimes, das gegen einen sunnitisch geprägten Aufstand kämpft. Die Christen könnten so zum Ziel der Radikalen unter den Rebellen werden.

In Ägypten, wo zehn Prozent der Bevölkerung koptische Christen sind, fürchten diese eine Diskriminierung durch die sunnitisch-islamistische Staatsführung. Papst Benedikt, der Ende kommender Woche Libanon besucht, will die Region als Entstehungsort des Christentums zum Thema machen.