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Kaukasus:Bürgerrechtlerin tot im Kofferraum aufgefunden

Schusswunden in Kopf und Brust: In Tschetschenien ist erneut eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation ermordet worden. Außenminister Steinmeier zeigte sich betroffen - und forderte die russischen Behörden zur Aufklärung auf.

Im russischen Nordkaukasus ist zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine Aktivistin ermordet worden. Die Bürgerrechtlerin Sarema Sadulajewa sei tot aufgefunden worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Memorial nach Angaben der Agentur Interfax mit. Auch ihr Mann wurde umgebracht.

Die Leichen wurden in der Nähe der Hauptstadt Grosny im Kofferraum eines Autos entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Sie wiesen Schusswunden in Kopf und Brust auf. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich betroffen über den erneuten Mord.

Sadulajewa hatte sich in der von zwei Kriegen verwüsteten Kaukasus-Region seit 15 Jahren für notleidende Kinder engagiert. Auch Sadulajewas Mann hatte bei der Organisation von medizinischer Behandlung und der Versorgung der Kinder mit Prothesen mitgewirkt. Am Montag seien sie zusammen von Unbekannten entführt worden, sagte Alexander Tscherkassow von der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial.

Die beiden seien in einem Auto aus dem Büro der Organisation weggebracht worden. Die Behörden der unruhigen Kaukasus-Republik hatten daraufhin zunächst mitgeteilt, es lägen keine Hinweise auf eine Entführung vor. Laut Augenzeugenberichten waren beide ohne Gewaltanwendung in das Auto gestiegen.

"Ich bin bestürzt über die Ermordung von Sarema Sadulajewa und ihres Mannes und verurteile diese feige Tat auf das Schärfste", erklärte Steinmeier in Berlin. An die russischen Behörden appellierte er, Täter und Drahtzieher rasch zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

Erneut mahnte Steinmeier auch die Aufklärung des Mordes an der tschetschenischen Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa an, die Mitte Juli entführt und getötet worden war. Estemirowa hatte für Memorial in Grosny gearbeitet. Der Fall wurde bislang nicht aufgeklärt. Estemirowas Mistreiter machten die Truppen des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow für die Tat verantwortlich.

Der moskautreue Präsident sprach im Zusammenhang mit dem Tod von Sadulajewa und ihrem Mann nun von "zynischen, unmenschlichen und demonstrativen Morden". Nach der Ermordung Estemirowas hatte er Beschuldigungen zurückgewiesen, er habe die Bluttat angeordnet.

Russische Menschenrechtler kritisierten das Versagen der kremltreuen Politiker im Nordkaukasus. Es fehle an Arbeitsplätzen, gerechten Löhnen, einer effektiven Verwaltung und Polizei sowie an unabhängiger Rechtsprechung. "Das fehlt dort alles. Und die letzten Fürsprecher des Volkes, die Menschenrechtler, werden systematisch vernichtet", sagte der Direktor des Moskauer Büros für Menschenrechte, Alexander Brod.

© dpa/AP/mikö/af
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