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Katholische Kirche:Fragwürdige Verbindung Ratzingers

Joseph Ratzinger im Jahr 2015, zwei Jahre nach seinem Amtsverzicht als Papst. Wusste er etwas über den jahrzehntelangen Einsatz eines pädophilen Priesters im Erzbistum München?

(Foto: Vincenzo Pinto/AFP)
  • Peter H. war 1986 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden; bereits zuvor waren kirchenintern entsprechende Vorwürfe gegen ihn bekannt.
  • Trotzdem war H. über Jahrzehnte weiter in der Seelsorge tätig, darunter 21 Jahre lang in Garching an der Alz in Oberbayern, und hatte Kontakt zu Kindern und Jugendlichen.

Die Verbindung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu einem wegen Kindesmissbrauchs verurteilten katholischen Priester soll enger sein als bislang bekannt. Das berichten das Recherchezentrum Correctiv und die ZDF-Sendung Frontal 21. Es geht dabei um den pädophilen Pfarrer Peter H., der 1980 von Essen ins Erzbistum München und Freising kam, um sich dort einer Therapie zu unterziehen. Damals war Joseph Ratzinger Erzbischof in München, 1982 wechselte er nach Rom, 2005 wurde er Papst.

Der Fall Peter H. wurde 2010 durch Recherchen der Süddeutschen Zeitung publik. H. war 1986 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden; bereits zuvor waren kirchenintern entsprechende Vorwürfe gegen ihn bekannt. Trotzdem war H. über Jahrzehnte weiter in der Seelsorge tätig, darunter 21 Jahre lang in Garching an der Alz in Oberbayern, und hatte Kontakt zu Kindern und Jugendlichen.

Erst 2010 wurde er suspendiert. H.s Umzug nach München habe der damalige Erzbischof Ratzinger mit beschlossen. Das räumte die Kirche vor zehn Jahren ein. Für den weiteren Einsatz von H. in der Gemeindearbeit übernahm ein früherer Generalvikar die Verantwortung. Es seien "schwere Fehler" geschehen.

Noch immer aber ist unklar, was Ratzinger über H. wusste und welche persönliche Verantwortung er dafür trägt, dass H. trotz seiner Pädophilie weiter im Pastoraldienst arbeitete. Nun rücken Correctiv und ZDF den Ex-Papst näher an den verurteilten H., ohne aber Belege zu liefern. Sie stützen ihre These der engeren Verbindung darauf, dass der frühere Münchner Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen mit H. über mehrere Jahre die Pfarrei in Garching an der Alz und Engelsberg betreut habe. Der Weihbischof soll von der Gefährlichkeit des Pfarrers H. gewusst haben. Von Soden-Fraunhofen sei ein Freund Ratzingers gewesen. Sicher ist, dass Ratzinger und der Weihbischof sich seit Langem kannten.

2000, kurz vor dem Tod von Soden-Fraunhofens, soll der damalige Glaubenspräfekt Ratzinger den kranken Ex-Weihbischof in Garching besucht haben. Dabei soll Ratzinger auch H. begegnet sein. Was aber sagt die Nähe Ratzingers zu dem Weihbischof und das zufällige Treffen mit H. über eine persönliche Verantwortung Ratzingers, dass H. nicht früher suspendiert wurde? Es bleiben viele Fragen. Der Ex-Papst hat laut Correctiv und ZDF nicht auf entsprechende Fragen geantwortet.

Sicher dürfte sein, dass eine Überwachung des Pädophilen H. in Garching nicht funktioniert hat. "In den Akten finden sich konkrete Hinweise, dass Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen regelmäßig über die Tätigkeit von H. in Garching ohne Beanstandung positiv informiert habe", so das Erzbistum zu Correctiv und ZDF. Die Frage nach dem "Erfolg" dieser Überwachung beantworte sich "aufgrund des bekannten Geschehens von selbst".

© SZ vom 19.02.2020 / SZ/dit
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