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Markus Söder:Der unsichtbare Elefant im Berliner Studio

Eine feste Größe bei CDU-Veranstaltungen ist Markus Söder geworden, auch beim Parteitag sprach er ein Grußwort. Über eine mögliche Kanzlerkandidatur schweigt er sich aber aus. Die Gründe hierfür sind vielschichtig.

Von Andreas Glas

Man kann sich ja mal kurz mit der Rolle beschäftigen, die der CDU-Parteitag formal für Markus Söder vorgesehen hat. Also, Blick ins Programm, Punkt Nummer sechs: "Grußwort Dr. Markus Söder". Im Grunde grüßt sich Söder ja seit Tagen durch die CDU. Erst ließ er sich beim digitalen Neujahrsempfang der CDU Nordrhein-Westfalen zuschalten, dann beim Neujahrsempfang der CDU Bremen. Nun beim Bundesparteitag.

Da sitzt er am Freitagabend, Hände auf dem Tisch gefaltet, im Hintergrund die CSU-Flagge. "Die Menschen in Deutschland reden im Moment sicher nicht über die Bundestagswahl", sagt Söder. "Sie machen sich im Moment auch keine Gedanken, wer Kanzlerkandidat werden könnte." Was Söder nicht sagt, wieder nicht: Ob er sich auch selbst zu diesen Menschen zählt.

Sicher ist erst mal nur: Für einen Mann, der gar nicht zur Wahl steht, war Söder ziemlich präsent, als die CDU an diesem Samstag über ihren künftigen Parteivorsitzenden entschied. Was wenig mit seiner Funktion als Grußwortredner zu tun hat. Und viel damit, dass der neue CDU-Chef sehr wohl den Gedanken an eine Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl haben dürfte.

Wenn man so will, ist Söder der unsichtbare Elefant im Berliner Studio, der Parteitag fand ja rein virtuell statt. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef ist immer noch der Mann, der in fast jeder Umfrage die Kanzlerwunschliste der Deutschen anführt. Meist weit dahinter: Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen, die Bewerber um den CDU-Vorsitz. "Egal, wer gewählt wird", sagt Söder am Freitag, "wir können super zusammenarbeiten". Auch das ist keine Antwort auf die Frage, über die er alle rätseln lässt: Will Söder überhaupt Kanzler werden?

Söder scheut das Risiko - und eine mögliche Wahlniederlage

Unmittelbar nach der Wahl von Armin Laschet zum neuen CDU-Chef dürfte sich diese Frage zuspitzen. Auch wenn derzeit alles danach aussieht, als würde das Rätseln um Söders Ambitionen noch ein paar Wochen weitergehen. Die CSU will erst im März oder April mit der CDU über den gemeinsamen Kanzlerkandidaten reden, das hat Söder längst klargestellt. Er hätte dann Zeit gewonnen, um auszuloten, ob seine hohen Umfragewerte bis ins Frühjahr hinein halten.

Denn Söder ist einer, der das Risiko scheut. Wenn überhaupt, würde er eine Kandidatur nur suchen, wenn er nicht Gefahr läuft, die Wahl zu verlieren. Darin könnte eine Erklärung liegen, dass Söder nie Ja oder Nein sagt, wenn wieder jemand nach seinem Interesse am Kanzleramt fragt - sondern immer auf diesen Satz ausweicht: "Mein Platz ist in Bayern."

Auch für die CDU hätte es Vorteile, die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März abzuwarten. Sollte die CDU magere Ergebnisse holen, könnte dies direkt auf den CDU-Kanzlerkandidaten abfärben. Daher muss man Söder nicht mal eigene Ambitionen unterstellen, wenn er die Schwesterpartei zur späten Kandidatenkür drängt. Die CSU kann nicht wollen, dass die Union einen Kandidaten losschickt, der schon vor dem Wahlkampf angezählt ist.

Woran Söder in jedem Fall interessiert ist: Dass die CSU ein gewichtiges Wort mitredet bei der Kandidatenkür. Dieses Gewicht verschafft sich Söder auch dadurch, dass er sich im Rennen hält. Vor der Corona-Krise galt Laschet als Söders Favorit für CDU-Vorsitz und Kanzleramt. Merz sei ihm zu rückwärtsgewandt, hörte man. Deutschland dürfe "nicht nur alte Antworten auf völlig neue Fragen geben", sagt Söder durchaus interpretationsfähig in seinem Grußwort.

Ob er nun will oder nicht: Söders Chance, Kanzler zu werden, ist weiter eher gering. Die CDU ist und bleibt eben die deutlich größere der Schwesterparteien. Sollte ihr neuer Chef aber bald nach der Wahl ins Stolpern geraten, könnte noch eine Dynamik pro Söder entstehen. Eine gewisse Sehnsucht nach Söder ist in Teilen der CDU längst zu spüren. Falls sich abzeichnet, dass der neue Parteichef Laschet bei den Wählern nicht punkten kann, dürfte die Sehnsucht größer werden. Serviert ihm die CDU die Kanzlerkandidatur, wird Söder kaum ablehnen können.

© SZ/Hohmann
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