Ägypten: Prozess gegen Hosni Mubarak Ein Käfig für den Despoten

Der "Pharao" hinter Gitterstäben: In einem Metallkäfig soll sich Ägyptens gestürzter Präsident Hosni Mubarak von diesem Mittwoch an vor Gericht verantworten. Er sei bereits in Kairo eingetroffen, berichten arabische Medien. Mubarak wird Korruption vorgeworfen, doch vor allem geht es um die Gewalt seiner Sicherheitskräfte während der Revolte - 800 Menschen starben damals binnen 18 Tagen. Eine Verurteilung könnte den Bruch mit dem alten Regime besiegeln. Andernfalls droht neuer Aufruhr.

Von Sonja Zekri, Kairo

Beim letzten Mal lief es irgendwie eleganter ab, fast rührend. Als 1952 die Freien Offiziere putschten, entschieden sie, den gestürzten König Faruk ziehen zu lassen. Ein Prozess, womöglich eine Hinrichtung hätten das neue Ägypten mit dem Blut eines royalen Märtyrers belastet. Das wollte keiner. Mit 21 Schüssen verabschiedete General Mohammed Naguib den Entmachteten auf der königlichen Yacht Mahroussa in Alexandria.

Monatelang protestierten die Ägypter auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen Machthaber Hosni Mubarak, nun wird dem Ex-Präsidenten der Prozess gemacht. Am Ende könnte der Richterspruch endgültig mit dem alten Regime abschließen - oder zu neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen führen.

(Foto: dpa)

Der General salutierte, der König auch. "Sie, effendim, haben uns gezwungen", sagte Naguib in das Schweigen. "Ich weiß", so der König: "Sie haben getan, was ich selbst immer tun wollte." Dass sie es nicht leicht haben würden, fügte er noch hinzu: "Ägypten ist nicht leicht zu regieren."

Fast 60 Jahre später, nach einer weiteren Revolution und einer anderen Junta kommt der Gestürzte nicht so leicht davon. An diesem Mittwoch soll der Prozess gegen Hosni Mubarak eröffnet werden. Korruption wird ihm vorgeworfen, vor allem aber die Verantwortung für den Schießbefehl seiner Sicherheitskräfte während der Revolte. Binnen 18 Tagen starben mehr als 800 Menschen. Wird Mubarak oder einer seiner Mitangeklagten verurteilt, droht ihnen die Todesstrafe.

Ebenfalls vor Gericht werden Mubaraks Söhne Gamal und Alaa stehen, der verhasste vormalige Innenminister Habib al-Adly und sechs seiner Beamten. Gegen Hussein Salem, einen Vertrauten Mubaraks, wird in Abwesenheit verhandelt.

Ägyptisches Fernsehen wird Prozessauftakt übertragen

Es ist ein Ereignis, das mehr als alles andere seit Mubaraks Sturz am 11. Februar den ersehnten Bruch mit dem System bedeuten könnte - oder die Nation in neuen Aufruhr stürzt. Allein der Ort! Die Nationale Polizeiakademie in einer Kairoer Trabantenstadt trug einst den Namen Mubaraks. Nun wurde der Schriftzug entfernt, auch die Bilder von Innenminister al-Adly. Innerhalb von Tagen schweißten Arbeiter einen 30 Meter langen Käfig für die Angeklagten.

600 Zuschauer, darunter Familien der Opfer, sollen zugelassen werden, eine Kamera des ägyptischen Fernsehens den Prozessauftakt übertragen. Mubarak selbst, der seit Monaten im Sinai-Badeort Scharm el-Scheich unter Hausarrest in einem Krankenhaus liegt, soll in einem Bett ins Gericht gebracht werden. Er sei am frühen Mittwochmorgen in Begleitung seiner Ärzte nach Kairo gereist, berichten arabische Medien. Zum ersten Mal seit seinem Sturz muss er sich den Blicken der Ägypter stellen.

Mubarak bestreitet alle Korruptionsvorwürfe. Und zum Vorwurf der Beihilfe zur Tötung kolportierten Medien aus den Befragungsprotokollen: "So sind unsere Leute und die Sicherheitskräfte eben." Er, Mubarak, hätte die Gewalt nicht verhindern können, selbst wenn er es gewollt hätte: "Niemand hätte noch auf meine Befehle geachtet."

Mubaraks Anwalt, der Strafverteidiger Farid al-Dib, versucht seit Wochen, den Angeklagten als prozessunfähig zu präsentieren. Sein Mandant leide an Magenkrebs, liege im Koma, sei "depressiv". Ägyptische Medien berichten über einen Hungerstreik des vormaligen Präsidenten. Aber nicht nur die Krankenhausärzte in Scharm el-Scheich, sondern auch Gesundheitsminister Amr Helmy halten Mubarak für fähig, dem Verfahren zu folgen.

Viele vermuten, dass Mubaraks Anwälte Gutachten präsentieren werden, die das Siechtum ihres 83-jährigen Mandanten beweisen sollen. Dann müsste Richter Ahmed Refaat entscheiden. Dieser schwor: "Wir werden Recht sprechen, wie Gott es will."