Joschka Fischer zu Afghanistan Ziele für Afghanistan

Erstens klar das Ziel definieren: einen stabilen Status quo in Afghanistan, der verhindert, dass das Land erneut zum Schlachtfeld der regionalen Interessen und zur Basis von al-Qaida wird. Dieses Ziel wird ohne ausreichende militärische Präsenz sowie verbesserte und verstärkte Wiederaufbauleistungen nicht erreichbar sein.

Afghanistan-Politik

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Zweitens muss ein regionaler Konsens über die Zukunft Afghanistans erneuert werden, um so auch zu verhindern, dass der afghanische Krieg die Nuklearmacht Pakistan weiter destabilisiert. Dies setzt voraus, dass die Interessen Pakistans, Irans, aber auch Indiens, Saudi-Arabiens und vermutlich auch Chinas in einen solchen Konsens eingebunden werden.

Der Kaschmir-Konflikt wird dabei vor allem indirekt eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Dies ist keine leichte diplomatische Aufgabe, dennoch aber machbar und müsste das eigentliche Ziel einer neuen Afghanistan-Konferenz sein.

Drittens muss versucht werden, parallel all die Krisen in dieser Gegend einzudämmen und vielleicht sogar zu lösen: Nahost, Irak, Golf, Iran, Kaschmir. Dies ist eine Gleichung mit sehr vielen bekannten Unbekannten, aber wenn zumindest ihre teilweise Entschärfung nicht versucht wird, werden diese bekannten Unbekannten alle Teillösungen immer wieder in Frage stellen.

Die große Frage allerdings bleibt, ob die USA und ihre europäischen Verbündeten für ein solches Unterfangen noch die Kraft, die Ausdauer und den Weitblick haben. Man darf daran zweifeln. Die Alternative dazu wird eine ziemlich chaotische und gefährliche Zukunft in dieser weiten Krisenregion sein. Europa ist ihr direkter regionaler Nachbar.

Joschka Fischer (Grüne), 61, war von 1998 bis 2005 Bundesaußenminister und Vizekanzler. Er schreibt exklusiv für Project Syndicate und die Süddeutsche Zeitung.