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Jordanien und IS:Selbst die Muslimbrüder wagen es gerade nicht, den König zu kritisieren

Es fällt auf, dass selbst die Muslimbrüder nur ihr Entsetzen über die "unmuslimische", verdammungswürdige Tat des IS ausdrückten, aber keine Kritik mehr an der Regierung. "Es dreht sich der politische Wind", sagt die Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Amman, Anja Wehler-Schöck.

Zweierlei ist den Jordaniern nun deutlich geworden, erklärt eine Ammaner Journalistin: nicht nur die Unmenschlichkeit des IS, sondern auch die Tatsache, dass man mit ihm nicht verhandeln könne. Die Dschihadisten hätten mit falschen Karten gespielt, so verbreitet es zumindest die jordanische Regierung am Mittwoch, wenn auch noch ohne Belege.

"Das Blut unseres Helden wird nicht umsonst vergossen worden sein"

Man habe Erkenntnisse, denen zufolge der Pilot bereits am 3. Januar ermordet worden sei, was der IS aber in den Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch schlicht verschwiegen habe. Die Folge: Zu Verhandlungen dürften die Jordanier künftig noch weniger bereit sein als vorher.

Jordanien ist ein "Ölstaat ohne Öl", wie es ein westlicher Beobachter in Amman ausdrückt: Das Geld, das der König mit beiden Händen an unzählige Staatsangestellte verteilt, kommt zum größeren Teil aus Saudi-Arabien und den USA. Sie stützen damit das Regime des Königs, die einen aus Solidarität mit einem loyalen Monarchen, dessen Fall auch für sie selbst ein Menetekel wäre.

Die anderen aus Interesse an einem arabischen Land, das sich als Makler für den Westen anbietet und einen Friedensvertrag mit Israel hat. Jordaniens König konnte deshalb gar nicht anders, als mitzumachen bei der amerikanisch-saudischen Militärkoalition gegen den IS.

Ob er nun anders kann, als sich noch tiefer in diesen Kampf hinein zu verstricken? Die Vereinigten Arabischen Emirate, eines der drei arabischen Länder, die sich neben Jordanien noch an den Luftangriffen der Anti-IS-Koalition beteiligen, haben zwar kürzlich den Rückzug vorgemacht - just unter Verweis auf das Schicksal von Muaz Kasasbeh und die Sorge um ihre eigenen Piloten. In Jordanien aber ließ ein Militärsprecher am Mittwoch wissen: "Das Blut unseres Helden und Märtyrers wird nicht umsonst vergossen worden sein."

© SZ vom 05.02.2015/fued
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