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Tod von John Hume:Architekt des Friedens

John Hume, Nordirland

Weggefährten nannten ihn einen "Titanen" und "Visionär" - John Hume kämpfte für die Aussöhnung in Nordirland und wurde dafür unter anderen mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

(Foto: Gerry Penny/AFP)

Er galt als Wegbereiter des Karfreitagsabkommens, das den langen und blutigen Bürgerkrieg in Nordirland beendete. Nun ist der Friedensnobelpreisträger John Hume gestorben.

Von Cathrin Kahlweit, London

Der nordirische Politiker John Hume, der 1998 mit David Trimble von der Ulster Unionist Party den Friedensnobelpreis bekommen hat, ist am Montag im nordirischen Derry/Londonderry im Alter von 83 Jahren gestorben. Hume galt als einer der Wegbereiter des Karfreitagsabkommens, das den langen und blutigen Bürgerkrieg in Nordirland beendete. Er wurde dafür auch mit dem Gandhi-Friedenspreis und dem Martin-Luther-King-Preis ausgezeichnet.

Der Katholik, der in den 1970er-Jahren die SDLP (Social Democratic and Labour Party) gegründet hatte, galt lange als einer der einflussreichsten Politiker der Region, weil er früh den Terror verdammt und in geheimen Gesprächen mit Gerry Adams, dem Chef des politischen Arms der Irisch Republikanischen Armee (IRA), Sinn Féin, einen Weg gesucht hatte, in Kooperation mit den Protestanten das Blutvergießen in Nordirland zu beenden. Der Bürgerkrieg dauerte 30 Jahre, mehr als 3000 Menschen starben.

Humes Bedeutung für den Friedensprozess, so die BBC, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Er sei der Kopf hinter der Annäherung gewesen und habe immer daran geglaubt, dass es eine Lösung für ein Problem geben müsse, das allseits für unlösbar gehalten worden sei. Hume habe den "politischen Bewegungsspielraum geschaffen", um in Kompromissen zu denken und Dialog zu ermöglichen.

Zahlreiche Wegbegleiter berichten, wie viel Mut in den 1970er- und 1980er-Jahren in Nordirland dazugehört habe, sich gegen große Teile der eigenen Community zu stellen, als Verräter beschimpfen zu lassen und ein Abkommen vorzubereiten, das bis zuletzt auf Messers Schneide stand.

Das Karfreitagsabkommen, von den Protestanten Belfaster Abkommen genannt, hat bis heute Bestand, auch wenn die gemeinsame Regierung von Sinn Féin und DUP zeitweilig ausgesetzt war und die New IRA, eine Folgeorganisation der IRA, immer wieder Anschläge verübt.

Blair würdigte Hume als "Titanen"

"Politik", lautete das Credo von John Hume, "ist die Alternative zum Krieg." Er hatte sich anfangs in der Bürgerrechtsbewegung für politische Reformen und mehr Teilhabe der Katholiken an einer von Protestanten dominierten Gesellschaft eingesetzt, aber angesichts eskalierender Gewalt früh das Gespräch gesucht.

Als die britische Regierung den Konflikt mit der IRA durch Internierungen ohne Anklage eskalierte, stellte sich Hume zwar eindeutig auf die Seite der Paramilitärs, moderierte aber gleichzeitig in den 1980er-Jahren den Annäherungsprozess mit London, der unter anderem zum Anglo-Irischen-Abkommen und dem ersten Waffenstillstand führte. Ex-Premier Tony Blair, in dessen Amtszeit das Karfreitagsabkommen fiel, nannte Hume einen "Titanen" und "Visionär".

© SZ vom 04.08.2020
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