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Jens Stoltenberg ein Jahr nach den Breivik-Morden:„Trost, wenn man trösten darf“

Stoltenberg ist auch Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, deren Jugendorganisation AUF das Sommerlager auf Utøya veranstaltete, wo Breivik 69 Menschen tötete.

Zuvor hatte der Attentäter eine Autobombe direkt vor der Staatskanzlei gezündet - der Ministerpräsident befand sich zu der Zeit nicht im Gebäude. Bei den Anschlägen verlor Stoltenberg mehrere Freunde und Mitarbeiter.

Gespräche mit seiner Frau Ingrid sowie mit Kollegen und Bekannten hätten ihm sehr geholfen, die eigene Trauer zu verarbeiten, sagt er im Interview. "Und für mich war es auch eine Hilfe, andere trösten zu dürfen, mit Betroffenen zu sprechen, auf Beerdigungen und Gedenkfeiern Reden zu halten. Es spendet Trost, wenn man trösten darf."

Am vergangenen Mittwoch war der Ministerpräsident zu einem privaten Besuch auf Utøya, wo er selbst als junger Nachwuchspolitiker viele Sommer verlebt hat. "Das war beides: gut und schlimm", erzählt er. Schlimm sei es gewesen, an das Schreckliche erinnert zu werden, das dort passierte. Aber es sei gut gewesen, die "idyllische, schöne Insel" zu besuchen, an die er auch viele gute Erinnerungen habe.

Auf einer Gedenkfeier nach den Anschlägen hatte Stoltenberg AUF einmal versprochen, er werde auf Utøya im Zelt übernachten, sollte es dort wieder einmal ein Sommerlager geben.

In diesem Jahr hat AUF die Veranstaltung abgesagt, ob die Insel je wieder für Jugendcamps genutzt wird, ist noch nicht beschlossen. Stoltenberg sagt, die Entscheidung darüber müsste der Jugendverband im Dialog mit den Opfern treffen. Aber sein Verspreche gelte noch.

"Ich würde mir wirklich wünschen, wieder einmal zurückzukehren und dort im Zelt zu schlafen. Denn was ich an dem 22. Juli gelernt habe, ist vor allem, das Leben wertzuschätzen. Und dass wir dankbar sein müssen, für die Tage, die wir bekommen."