Unicef "Jemen ist eine Hölle auf Erden für Kinder"

Manche Kinder, wie dieses hier in der Hauptstadt Sanaa, erhalten medizinische Hilfe. Unicef zufolge sind es viel zu wenige.

(Foto: REUTERS)
  • Dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge benötigen rund elf Millionen Kinder und Jugendliche in Jemen humanitäre Hilfe.
  • Alle zehn Minuten sterbe ein Kind an einer eigentlich vermeidbaren Krankheit, teilt das Hilfswerk mit.
  • Am Montag wies die UN bereits darauf hin, dass zwei Drittel der Bevölkerung, fast 20 Millionen Menschen, an Hunger leiden.

Die Lage im Kriegsland Jemen ist verheerend. 20 Millionen Menschen - etwa zwei Drittel der Bevölkerung - leiden nach UN-Angaben Hunger. Das Kinderhilfswerk Unicef warnt, dass es für Minderjährige in dem Land besonders schlimm ist. "Jemen ist heute eine Hölle auf Erden für Millionen Kinder", sagt der Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika, Geert Cappelaere.

Rund elf Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren benötigten in Jemen humanitäre Hilfe, heißt es in einem aktuellen Unicef-Bericht. Das seien 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in dem Land. Schätzungen des Hilfswerks zufolge haben sieben Millionen Kinder nicht genug zu essen und befinden sich am Rande einer Hungersnot. 1,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren seien akut mangelernährt, rund 400 000 von ihnen lebensbedrohlich.

Mehr als zwei Millionen gehen nicht zur Schule

Durchschnittlich alle zehn Minuten stirbt laut Unicef ein Kind in Jemen an vermeidbaren Krankheiten. Dazu zählt das Hilfswerk auch Infektionskrankheiten wie Cholera und Mangelernährung. Es fehle an einem verlässlichen Zugang zu Trinkwasser, sanitären Anlagen und ausreichender Hygiene. Mindestens 2596 Kinder wurden durch Angriffe getötet.

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Laut dem Bericht sind zudem rund 1,5 Millionen Kinder im eigenen Land auf der Flucht. Mehr als zwei Millionen gingen nicht zur Schule, jede fünfte Schule sei außer Betrieb. Auch die Gesundheitsversorgung funktioniere nur eingeschränkt.

Das UN-Kinderhilfswerk fordert eine politische Lösung zum sofortigen Ende des Jemen-Kriegs. Kinder gehörten unter allen Umständen geschützt. Helfer müssten Zugang bekommen. Dazu brauche es internationalen Druck und auch eine langfristige finanzielle Unterstützung. Man dürfe die Kinder in Jemen nicht ihrem Schicksal überlassen, sagt der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Georg Graf Waldersee.

In Jemen unterstützt seit mehr als drei Jahren eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition die sunnitisch geprägte Regierung im Kampf gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Diese wiederum werden von Iran unterstützt.

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