bedeckt München 26°

Konflikt im Jemen:Der saudische Albtraum

Bewaffnete Unterstützer der schiitischen Huthi-Rebellen protestieren gegen die Luftangriffe Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten.

(Foto: AFP)

Saudi-Arabien und seine Verbündeten fliegen Luftangriffe auf die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen - es droht eine Internationalisierung des Konflikts. Ein Zerfall Jemens scheint nur eine Frage der Zeit.

Jemen ist - nach dem Irak, Syrien und Libyen - das vierte arabische Land, das durch den gegenwärtigen Bürgerkrieg dabei ist, seine staatliche Existenz zu verlieren. Die Luft-Offensive der Saudis gegen die aufständischen Huthis hat es in neun Nächten nicht vermocht, diese vom Vordringen in die südlichen Hafenstadt Aden abzuhalten oder ihre schon vorher gewonnenen Positionen in den nördlichen Landesteilen zu erschüttern. Die Hauptstadt Sanaa ist bereits seit September vergangenen Jahres in ihrer Hand.

Es droht die Internationalisierung des Konflikts

Um militärische Überlegenheit auf dem Land zu gewinnen, hat Saudi-Arabien so-eben seinen treuen Verbündeten Pakistan gebeten, Truppen, Schiffe und Flugzeuge zur Verfügung zu stellen. Damit droht eine Internationalisierung des Konflikts, die bisher weitgehend eine Propaganda-Legende war. Die Huthis sind Schiiten, wenn auch einer anderen Glaubensrichtung als die Iraner. Daraus ergeben sich Affinitäten und Sympathien; aber massive Waffenhilfe könnte Teheran angesichts der geografischen Lage nur über das Territorium Saudi-Arabiens hinweg leisten. Dass Schiiten wie im Irak und in Syrien nun auch an ihrer Südflanke zur beherrschenden Kraft werden könnten, ist für die Saudis als sunnitische Vormacht ein Albtraum. Für den neuen König Salman ist das Unternehmen Jemen eine schwere Bewährungsprobe.

Konflikt im Jemen Situation für Zivilbevölkerung in Jemen spitzt sich zu
Huthi-Rebellen

Situation für Zivilbevölkerung in Jemen spitzt sich zu

Der Kampf um die Vorherrschaft in Jemen tobt. In Aden sind Viertel von der Versorgung abgeschnitten. Leichen bleiben in den Straßen liegen - weil Scharfschützen lauern.   Von Paul-Anton Krüger

Warum die Saudis in Jemen nie beliebt waren

Die Saudis waren in Jemen nie beliebt, und der Krieg bringt die Stimmung noch mehr gegen sie auf. Vor Jahren haben sie Hunderttausende jemenitische Gastarbeiter ausgewiesen. Nicht nur die Huthis sind in Jemen eine anti-saudische Kraft, sondern auch al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel mit ihren aus dem Königreich geflohenen Aktivisten. Gerade erst haben sie al-Mukalla, die Hauptstadt des Hadrmaut besetzt und ihren regionalen Chef Chaled Batarfi aus dem Gefängnis befreit.

Die Huthis wären nicht dort, wo sie sind, ohne die Hilfe des langjährigen autokrati-schen Staatschefs Ali Abdallah Saleh, der durch Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings von der Macht verdrängt wurde, aber noch viele Hebel im Sicherheitsdienst und den Streitkräften in der Hand hält. Ein Jahrzehnt lang hatte Saleh die Huthis in der nördlichen Provinz Saada bekämpft. Jetzt hofft Saleh als Folge des Durcheinanders ans Ruder zurückzukehren oder seinem Sohn, dem Ex-Kommandeur der Nationalgarde, den Weg zu bereiten.

Die jemenitischen Schiiten, die der Sekte der Zaiditen angehören, haben durch ihre Imame jahrhundertelang das Land regiert. Eine nationalarabische Revolution, unterstützt von Ägypten, stürzte 1962 den letzten Imam. Im darauf folgenden Bürgerkrieg unterstützten die Saudis die Royalisten. Unter dem sunnitisch-republikanischen Regime fühlten sich die Schiiten diskriminiert und wirtschaftlich benachteiligt.

Gemeinsame Feindschaft noch keine Partnerschaft

Als Gegenbewegung gründeten Huesein Badr-ed-Din al-Huthi und seine Brüder eine revolutionäre Bewegung. Im September 2004 wurde Badr-ed-Din getötet. Seine Leiche ließ Saleh im Gefängnis beisetzen, damit sein Grab nicht zur Pilgerstätte wurde. Sein Nachfolger wurde Abdel Malek al Huthi. Dass auch er im Kampf getötet wurde, wie das Regime behauptete, widerlegte er durch Auftritte im Fernsehen. Aus der gemeinsamen Feindschaft gegen die Saudis und das frühere Regime ergibt sich keine Partnerschaft für die Zukunft. Bei Anschlägen auf zwei Moscheen in Sanaa, die von den Huthis frequentiert werden, kamen Ende März 137 Gläubige ums Leben. Als Täter bekannte sich der Islamische Staat im Irak und an der Levante.

Konflikt im Jemen Rotes Kreuz befürchtet humanitäre Katastrophe
Konflikt im Jemen

Rotes Kreuz befürchtet humanitäre Katastrophe

Immer mehr Zivilisten sterben bei Kämpfen und durch die saudischen Luftschläge im Jemen. Das Rote Kreuz und Russland fordern eine sofortige Feuerpause.

Ob der Zerfall Jemens auch juristisch ein Faktum wird, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Der südliche Landesteil, die frühere britische Kolonie Aden und ihr Hinterland, wurden mit dem mächtigeren Norden zwangsweise vereinigt. Sie streben seither nach neuer Unabhängigkeit.