Nahost:Wie Scheinwerfer im Schattenkrieg

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Eine israelische F-15 (v.) und eine B-1B der US Air Force 2021. Die Länder halten jetzt wieder gemeinsam ein Manöver ab.

Ein israelisches "F-15"-Jagdflugzeug (v.) und eine "B-1B" der US Air Force 2021. Die Länder halten jetzt wieder gemeinsam ein Manöver ab.

(Foto: Senior Airman Jerreht Harris/AP)

Israel und Iran haben sich lange abseits der Öffentlichkeit bekämpft. Warum sie sich jetzt mit aufsehenerregenden Drohgebärden überbieten.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Der Kampf tobt schon seit Langem, aber an allzu viel Öffentlichkeit hatten bislang beide Seiten kein Interesse. Ein gezielter Sabotageakt hier, ein Mordanschlag oder ein Angriff aus der vernebelten Cyberwelt dort - so begleichen Israel und Iran in der Regel ihre Rechnungen. Doch plötzlich richten beide Länder ein paar Scheinwerfer auf den Schattenkrieg. Zur Deeskalation wird dies gewiss nicht führen. Im Gegenteil: Die Drohungen werden nun für jeden deutlich vernehmbar.

In dieser Woche hält Israel gemeinsam mit den USA eine der größten Luftwaffenübungen der vergangenen Jahre ab. Zum Manöverdonner gehört die klare Aussage, dass hier Luftangriffe auf Ziele in Iran eingeübt werden sollen. Im Mittelpunkt stehen Langstreckenflüge der Kampfjets inklusive Betankungen in der Luft, wie sie bei Angriffen auf die Atomanlagen in der Islamischen Republik nötig wären.

Endgültig grünes Licht für diese Übung gab es Berichten zufolge bei einem Besuch des israelischen Generalstabschefs Aviv Kochavi in Washington in der vergangenen Woche. Fünf Tage weilte er in der US-Hauptstadt, und Mittelpunkt der Gespräche war stets die iranische Bedrohung. Am Ende stand dann eine Erklärung Kochavis, in der er von einem "kritischen Zeitpunkt" sprach, der die "Beschleunigung von Einsatzplänen und der Kooperation gegen Iran und seinen terroristischen Verbündeten in der Region" erforderlich mache.

Mit der Waffenhilfe für Russland hat sich Teheran gen Westen isoliert

Schon lange fordert Israel von den Amerikanern eine "glaubwürdige", das heißt massive militärische Drohung als Antwort auf die atomaren Anstrengungen des Teheraner Regimes.

Beim früheren US-Präsidenten Donald Trump, der auf Drängen des damaligen israelischen Premiers Benjamin Netanjahu das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt hatte, hatten die Israelis da eher ein leichtes Spiel. Der Nachfolger Joe Biden dagegen hat einen militärischen Einsatz zwar als letztes Mittel nie ausgeschlossen, aber stets einer diplomatische Lösung den Vorrang gegeben.

Doch die Verhandlungen zur Neuauflage des Nuklearpakts stecken inzwischen in einer Sackgasse. Iran hat sich zudem für den Westen mit der Waffenhilfe für Russland im Ukraine-Krieg ins Abseits gestellt. Die gemeinsame Militärübung der Israelis und Amerikaner soll nun wohl in Teheran als Signal verstanden werden, dass die Drohung wieder ernster wird.

Iran aber lässt sich so leicht nicht verschrecken - und antwortet gezielt mit einer Gegendrohung, die von anderer Art ist als die üblichen Wütereien, dass man Tel Aviv und Haifa in Schutt und Asche legen werde. Im aktuellen Fall wird die Drohung leicht camoufliert in Medienberichte verpackt, bei denen regimenahe iranische Medien einen libanesischen Nachrichtenkanal zitieren.

Die Drohgebärden erscheinen gerade jetzt als besonders gefährlich

Konkret benannt wird dabei ein lange Liste von möglichen Angriffszielen in Israel, die von der Knesset, dem Parlament, bis zum internationalen Ben-Gurion-Flughafen reichen und vom Verteidigungsministerium bis zu den israelischen Nuklearanlagen in der Negev-Wüste. Schätzungen zufolge steht Iran dafür ein beträchtliches Raketenarsenal zur Verfügung sowie Drohnen, die bei Bedarf auch von Hintersassen wie der Hisbollah in Libanon oder dem Islamischen Dschihad in Gaza zum Einsatz gebracht werden könnten.

Die Drohgebärden beider Seiten erscheinen besonders gefährlich, weil sie sich angesichts des erwartbaren endgültigen Scheiterns der Atomverhandlungen in einem diplomatischen Vakuum ausbreiten können.

Auf iranischer Seite lässt sich mit der zumindest schon einmal rhetorischen Mobilmachung gegen den Feind von außen zudem vom inneren Druck ablenken, der wegen der anhaltenden landesweiten Proteste auf dem Regime lastet.

Überdies steht in Israel ein Regierungswechsel und die Rückkehr Netanjahus auf den Posten des Premierministers bevor. In seinen zurückliegenden Regierungsjahren hatte Netanjahu schon lauter als jeder andere vor dem iranischen Atomprogramm gewarnt und mit Militärschlägen gedroht.

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