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Islamisten zerstören Weltkulturerbe:Mali ruft UN zum Schutz seiner Heiligtümer auf

Verzweifelter Hilferuf: Weil islamistische Rebellen in Timbuktu jahrhundertealte Grabstätten zerstören, bittet Mali die Vereinten Nationen um Hilfe. Die Regierung spricht von "Zerstörungswut", die "Kriegsverbrechen" gleichkomme.

Drei Mausoleen islamischer Heiliger sollen zerstört sein, berichten Augenzeugen, die Regierung spricht von "Zerstörungswut", die "Kriegsverbrechen" gleichkomme: Das Treiben der islamistischen Rebellen von Ansar Dine zwingt die Regierung in Mali, um internationale Hilfe zu bitten. Tourismusministerin Diallo Fadima Touré forderte die UN-Kulturorganisation Unesco auf, "diese Verbrechen gegen das kulturelle Erbe" ihres Volkes zu beenden. Sie kündigte "nationale und internationale Schritte" an, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Taten hätten "nichts mit dem Islam zu tun".

"Stadt der 333 Heiligen" wird das am Rande der Sahara gelegene Timbuktu genannt. Nun sind die jahrhundertealten Grabstätten in Gefahr.

(Foto: AFP)

Die Unesco hatte am Samstag ihre Sitzung in St. Petersburg unterbrochen, bei der sie neue Welterbestätten auswählte, und sprach von einer "tragischen Nachricht". Unesco-Generaldirektorin Irina Bokowa erklärte, es gebe "keine Rechtfertigung für so eine mutwillige Zerstörung". Marokko forderte am Sonntag eine "dringende Intervention" zum Schutz des "reichen Erbes" Malis. Auch Frankreich und andere Staaten verurteilten die Taten.

Laut Augenzeugen zerstörten in Timbuktu Mitglieder der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine binnen weniger Stunden die Grabstätten der Heiligen Sidi Mahmud, Sidi Moctar und Alpha Moya und zogen anschließend in Richtung weiterer Mausoleen. Die teils bewaffneten Kämpfer seien mit Spitzhacken und Meißeln gegen die aus ockerfarbenen Lehm errichteten Gebäude vorgegangen und hätten "Gott ist groß" gerufen.

"Was ist die Unesco?"

Ansar Dine reagierte einem Sprecher zufolge damit auf die Entscheidung des Welterbekomitees, Timbuktu wegen des Konflikts in Mali auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen. Der Sprecher Sanda Ould Boumana sagte, die Gruppe wolle "ohne Ausnahme jedes Mausoleum in der Stadt zerstören".

"Gott ist einzig. All dies ist Sünde. Wir sind alle Muslime. Was ist die Unesco?", sagte Boumana. Das am Rande der Sahara gelegene Timbuktu wird "Perle der Wüste" oder "Stadt der 333 Heiligen" genannt und zählt seit 1988 zum Weltkulturerbe. Die zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert von Tuareg-Stämmen gegründete Stadt war lange ein geistiges Zentrum des Islam. Aus Sicht der Islamisten ist die Verehrung von Heiligen und ihren Grabmälern durch die örtliche Bevölkerung ein Verstoß gegen das islamische Gebot, keine Götter neben Allah anzubeten.

Die Islamisten hatten Ende März gemeinsam mit Tuareg-Rebellen Timbuktu unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem die Zentralregierung infolge eines Militärputsches zusammengebrochen war. Seitdem liefern sich die Gruppen wiederholt heftige Kämpfe um Timbuktu und andere Städte. Einem Arzt zufolge wurden in Gao vergangene Woche mindestens 35 Menschen getötet, als die islamistische Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO) die Tuareg-Rebellen aus der Stadt vertrieben.

Angesichts des Machtzuwachses der Islamisten rief die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) den UN-Sicherheitsrat auf, die Entsendung einer regionalen Eingreiftruppe zu unterstützen. Die Extremistengruppe al-Qaida im Islamischen Maghreb warnte derweil, mit "Entschlossenheit" gegen alle vorzugehen, die mit einer Interventionstruppe zusammenarbeiten.