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Sicherheitsbehörden:Razzia bei Berliner Islamisten 

In Berlin ist die salafistische Gruppierung "Tauhid Berlin" verboten worden. Einige Mitglieder sollen den Attentäter vom Breitscheidplatz gekannt haben. 

Von Florian Flade und Ronen Steinke, Berlin

Am Donnerstagmorgen rückte die Polizei an, rund 850 Beamte führten an 25 Orten in Berlin und Brandenburg Wohnungsdurchsuchungen durch. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat die dschihadistisch-salafistische Vereinigung "Jama'atu", die auch unter dem Namen "Tauhid Berlin" agiert, verboten. Zur Begründung heißt es, die Gruppe richte sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Immer wieder hätten Mitglieder Sympathien mit terroristischen Organisationen bekundet und antisemitische Inhalte verbreitet.

"Das Verbot ist ein weiteres und klares Signal an alle religiösen Extremisten", sagte Geisel. Und weiter: "Wir dulden keine Räume, in denen der Terror propagiert und der sogenannte ,Islamische Staat' glorifiziert wird." Die Gefahr des islamistischen Terrorismus sei weiterhin hoch. Das Verbot sei ein weiterer Baustein in der Bekämpfung des gewaltbereiten Extremismus, betonte der Innensenator. Laut Geisel fußt das Verbot der Vereinigung maßgeblich auf Erkenntnissen des Berliner Verfassungsschutzes. Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) sagte: "Die heute verbotene Gruppe folgt ideologisch dem IS. Darüber hinaus sind es schlimme Antisemiten, die den Tod von Jüdinnen und Juden fordern."

Die Islamisten trafen sich offenbar vor allem in Privatwohnungen. Mehrmals sollen sie versucht haben, Räumlichkeiten in Berlin anzumieten. Oder in Moscheen unterzukommen, wo die Radikalen allerdings keinen Anschluss fanden. Für eine eigene Moschee aber reichte ihnen bislang das Geld nicht, so glaubt der Verfassungsschutz. Und so wurde wohl vor allem in heimischen Wohnzimmern gebetet, teilweise nur wenige Straßen von der BND-Zentrale in Berlin-Mitte entfernt.

Die nun verbotene Gruppe soll über rund 20 Mitglieder verfügen, als führender Kopf gilt nach SZ-Informationen der 29-jährige Prediger Jarrah B., der bislang seine Botschaften vor allem über Social-Media-Kanäle wie Youtube oder Telegram verbreitet hat. Daneben soll "Tauhid Berlin" in den vergangenen Jahren auch durch missionarische Straßenaktionen aufgefallen sein. An unterschiedlichen Orten in Berlin, etwa am Bahnhof Gesundbrunnen, sollen sie Flyer und Infobroschüren verteilt und für einen salafistischen Islam geworben haben.

Die Berliner Sicherheitsbehörden sind auf die Gruppierung aufmerksam geworden, weil einige Mitglieder, darunter auch Jarrah B., früher in der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit verkehrten, die auch Anis Amri, der Attentäter vom Breitscheidplatz, oft besucht hatte. Der Verfassungsschutz wertete dies daher als den möglichen Versuch einer neuen Vernetzung der "Fussilet-Clique" und nahm die Islamisten in den Blick.

© SZ/bix
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