Islam-Hass in den USA Wehe, er wäre ein Muslim

  • Ein Pastor plant, in den USA Dutzende Muslime umzubringen - mit Macheten, Sturmgewehren und Molotowcocktails. Doch er fliegt auf und wird vom FBI verhaftet.
  • Nach seinem Geständnis wird der Mann gegen eine Kaution von 30 000 Dollar mit einer Fußfessel freigelassen, die Staatsanwaltschaft gibt nicht einmal eine Presseerklärung heraus.
  • Liberale und muslimische Bürger sind wütend. Sie fragen sich vor allem: Wie hätten die US-Medien reagiert, wenn ein Muslim einen ähnlichen Anschlag gegen Christen geplant hätte?
Von Matthias Kolb

Robert Doggart ist ein sehr aktiver Mann. Der 63-Jährige hat einst in der US Navy gedient, er ist Pastor der "Christian National Church" und besitzt sowohl einen Master- als auch einen Doktortitel. Im November 2014 kandidierte er als unabhängiger Kandidat in einem Wahlkreis in Tennessee für das US-Repräsentantenhaus. Doggart, dem die Republikaner nicht konservativ genug sind, erhielt immerhin sechs Prozent.

In seiner Wahlwerbung präsentierte er sich stolz am Schreibtisch sitzend neben einer US-Fahne, doch kurze Zeit später plante der Mann mit dem weißen Schnurrbart nach Überzeugung der Bundespolizei FBI akribisch einen Anschlag. Das Ziel: eine "Islamberg" genannte Siedlung muslimischer Amerikaner in Hancock im US-Bundesstaat New York. Bevor ihn das FBI am 10. April 2015 verhaftete, hatte Doggart auf Facebook geschrieben: "Wir sollen Krieger sein, die den Feinden unserer Nation und des Weltfriedens große Opferzahlen zufügen. Diese Leute sollen getötet und ihre Häuser niedergebrannt werden."

Die Anklageschrift (hier nachzulesen) lässt keine Zweifel, wie genau Doggart seine Aktion mit befreundeten Mitgliedern von Milizen geplant hatte: Mit Molotowcocktails wollte er in Hancock außer der Moschee auch die Schule samt Cafeteria anzünden. In einem vom FBI abgehörten Telefonat sprach er davon, Macheten und Sturmgewehre einsetzen zu wollen. Er ging davon aus, dass für seinen mörderischen Plan weniger als 20 "exzellente Schützen" ausreichen würden. Einem Komplizen in South Carolina sagte er: "Ich hoffe, dass ich zu meiner Familie zurückkomme, aber wenn ich sterben sollte, dann wäre es ein guter Tod."

Muhammad Matthew Gardner, der Sprecher der muslimischen Siedlung in Hancock, sagte der Website Daily Beast, die zum Magazin Newsweek gehört: "Unsere Gemeinschaft ist völlig traumatisiert." Die Schulkinder des Ortes veröffentlichten ein Foto, auf dem sie ein Plakat mit der Aufschrift "Warum wollen Sie uns umbringen, Robert Doggart?" hochhalten. Gardner geht davon aus, dass der 63-Jährige den Ort, der 230 Kilometer von New York City entfernt ist, bereits besucht hat.

Bisher wenig Berichterstattung über Fall Doggart

Neben dem Islam-Hass, den Doggarts Anschlagsplan eindeutig belegt, bestürzt Gardner, der sich auch in der Organisation "The Muslims of America" engagiert, noch etwas anderes: Bisher haben nur wenige Medien über den Fall berichtet. Dies liegt, so sein Verdacht, auch daran, dass das FBI und die Staatsanwaltschaft keine Presseerklärungen veröffentlicht haben. Dies geschah weder nach Doggarts Verhaftung noch nach dessen Anklage, die mit einem Schuldeingeständnis einhergeht. Erst eine Pressemitteilung von "Muslims of America", die von Lokalzeitungen und in sozialen Netzwerken verbreitet wurde, sorgte für Aufmerksamkeit.

Auch die Tatsache, dass Doggart nach Zahlung von 30 000 Dollar Kaution freigelassen wurde und nun - mit einer Fußfessel ausgestattet - auf seinen Prozess wartet, werten viele muslimische und liberale Amerikaner als Beleg dafür, dass die US-Sicherheitsbehörden mit zweierlei Maß messen. Noch härter werden jedoch Amerikas TV-Sender attackiert.

"Wenn es sich um einen Muslimen gehandelt hätte, der Christen ermorden wollte, dann würde nun rund um die Uhr berichtet", schreibt Dean Obeidallah von Daily Beast. Als Mitte April in Minnesota sechs junge Männer verhaftet wurden, weil sie im Verdacht standen, in Syrien für den Islamischen Staat kämpfen zu wollen, hielt der zuständige Staatsanwalt sofort eine Pressekonferenz ab.

55 Prozent der Amerikaner haben schlechte Meinung über Islam

Die Siedlung in Hancock wird oft als "Islamberg" bezeichnet, seit in den achtziger Jahren Muslime aus New York City wegzogen, weil sie ihre Kinder an einem Ort mit weniger Rassismus, Armut und Gewalt erziehen wollten. "Bei uns leben Kriegsveteranen, Ärzte, Anwälte und Lehrer, und wir sind echte Patrioten", betont Sprecher Gardner. Nach den Charlie Hebdo-Anschlägen von Paris wurde Hancock beim konservativen Sender Fox News als Heimat von gefährlichen Islamisten dargestellt - eine Einschätzung, die jedoch umgehend vom örtlichen Sheriff zurückgewiesen wurde.

Muhammad Matthew Gardner von "Muslims of America" beklagt, dass die "lockere Haltung" der Behörden gegen Islam-Hasser dazu führe, dass Vorurteile weiter gediehen. Erst im April hatte eine Umfrage ergeben, dass 55 Prozent aller Amerikaner eine "schlechte Meinung" über den Islam haben. Seit Jahren beschreiben Soziologen wie Chris Bail von der Duke University in North Carolina, dass US-Medien vielfach diese Vorurteile bedienen und Islam oft mit Begriffen wie "Terrorist" oder "Extremist" verbinden.

Bail hat in einer quantitativen Analyse herausgefunden, dass die hasserfüllte Rhetorik von rechtsextremen Islamkritikern sich auch in Leitmedien wiederfindet: Mitunter werden deren PR-Meldungen schlicht kopiert. Und Bails Analyse zeigt auch, dass Berichte häufiger gesendet oder abgedruckt werden, wenn Muslime darin negativ dargestellt werden.

Da das FBI Doggart verhaftete, bevor dieser etwa Sprengstoff kaufen konnte, wird er wegen der Planung eines Anschlags gegen eine Religionsgruppe angeklagt. Erschwerend komme hinzu, dass über dieses Ansinnen in mehreren Bundesstaaten diskutiert wurde. Ein hate crime oder terroristische Motive werden ihm nicht vorgeworfen. Sollte Doggart verurteilt werden, so drohen ihm als Höchststrafe fünf Jahre Gefängnis mit drei anschließenden Jahren auf Bewährung sowie 250 000 Dollar Geldstrafe.