USA und Iran Sonst droht ein Flächenbrand

Eine F/A-18E Super Hornet startet vom Flugdeck des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln, dem Flaggschiff einer Flugzeugträgerkampfgruppe, die in den Persischen Golf beordert wurde.

(Foto: dpa)

Sabotageakte, Drohnenangriffe und US-Drohungen gegen Iran: Am Persischen Golf ist die Stunde der Provokateure ausgebrochen. Es braucht jetzt Vernunft.

Kommentar von Paul-Anton Krüger

Am Golf ist die Stunde der Provokateure angebrochen. Es gibt Sabotageakte gegen Öltanker, für die bislang niemand die Verantwortung übernimmt, und es gibt Drohnenangriffe auf eine saudische Pipeline, hinter denen offenkundig die jemenitische Huthi-Miliz steckt.

Die USA haben klargemacht, dass sie Teheran auch Handlungen von nichtstaatlichen Gruppen zurechnen, die mit Iran verbündet sind. Die Huthis stehen, anders als etwa die Hisbollah, nicht unter direkter Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden. Bei einigen schiitischen Milizen in Irak oder Syrien sieht das aber schon anders aus.

Auch bei der Bedrohung, die von solchen Gruppen für amerikanische Truppen und Interessen sowie für US-Verbündete in der Region ausgeht, gibt es offenkundig unterschiedliche Wahrnehmungen. Während die Amerikaner die Alarmstufe für ihre Militäreinheiten erhöhen und nicht zwingend erforderliches Botschaftspersonal abziehen, sagt ein britischer Kommandeur der von den USA geführten Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat öffentlich, es gebe keine erhöhte Bedrohung in Syrien oder Irak.

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Begründet wird dies mit der "größer werdenden Bedrohung" in der Region. Die USA ziehen einen Großteil der Mitarbeiter ihrer Botschaft in Bagdad ab.

Entweder gibt es erhebliche Kommunikationsprobleme zwischen den wichtigsten Mitgliedern der Allianz - oder fundamental unterschiedliche Bewertungen. Oder jemand versucht, Informationen zu politischen Zwecken zu instrumentalisieren.

Jedenfalls sieht all das nicht nach einer soliden Rechtfertigung für militärische Gewalt durch die USA aus. Das ist die Lehre aus dem Irakkrieg 2003, der auf Lügen gebaut war und der die maßgebliche Ursache ist für das Chaos im Nahen Osten und das Erstarken Irans.

Die Drohung der Amerikaner, auf jeden Angriff mit Entschlossenheit auch militärisch zu reagieren, soll Iran abschrecken. Zugleich liefern damit aber Leute wie der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, anderen Staaten in der Region, die es gerne sähen, wenn die Amerikaner Iran in die Schranken wiesen, ein Motiv, Zwischenfälle herbeizuführen. Bislang gibt es dafür keine belastbaren Hinweise. Ebenso wenig gibt es sie aber für eine direkte Verantwortung des iranischen Regimes für die jüngsten Zwischenfälle.

Allerdings legt es auch Iran nicht darauf an, einen Konflikt zu vermeiden. In triumphalem Ton berichten Staatsmedien über die Huthi-Attacke. Tatsächlich muss sich auch Europa fragen, ob man bei aller Ablehnung des Krieges, den Saudi-Arabien in Jemen führt, nicht viel zu lange viel zu nachgiebig war. Als die Huthis ballistische Raketen auf das Passagierterminal des Flughafens von Riad feuerten oder auf andere zivile Ziele in Saudi-Arabien, hat das kaum mehr als Schulterzucken zur Folge gehabt.

Auch der Angriff auf die Tanker wird in Teheran doppeldeutig kommentiert. Offiziell verurteilt ihn die Regierung, zugleich sprechen Abgeordnete von einem Beleg, wie brüchig die Sicherheit am Golf sei. So redet niemand, der Krieg abwenden will.

Der Oberste Führer Ali Khamenei verkündet, es werde keinen Krieg geben, weil die Amerikaner wüssten, dass dies nicht in ihrem Interesse sei. Er wähnt Iran in einer Position der Stärke und gibt einen Freibrief, die Amerikaner und ihre Verbündeten weiter herauszufordern.

Selbst Beweise für Irans direkte Beteiligung an den Vorfällen der vergangenen Tage wären aber nicht ausreichend, um eine ausgewachsene Militäraktion zu begründen. Die Reaktion müsste verhältnismäßig sein.

Da hat der US-Botschafter in Riad, John Abizaid, die richtige Linie skizziert: Es müsse vernünftige Antworten geben, die keine Kriegshandlungen sein sollten, sagte er. Abizaid war von 2003 bis 2007 Oberbefehlshaber der US-Truppen im Nahen Osten. Der Mann weiß, was ein neuer Krieg in der Region bedeuten würde: Zwar aller Wahrscheinlichkeit keine Invasion in Iran wie 2003 im Irak, aber einen Flächenbrand vom Golf bis an die Levante.

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