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Krise am Golf:Der Krieg, den keiner will

An oil tanker is seen after it was attacked at the Gulf of Oman

Einer der brennenden Tanker nach den Angriffen im Golf von Oman.

(Foto: REUTERS)
  • Die jüngsten Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman verschärfen die Spannungen zwischen USA und Iran.
  • Der britische Außenminister stellt sich hinter die USA und beschuldigt Iran, die Angriffe ausgeführt zu haben.
  • US-Präsident Trump bestreitet, dass er einen Regimewechsel in Teheran anstrebt.

Die Anzahl der Menschen in der US-Regierung, von denen man sagen kann, sie wünschten sich wirklich einen Krieg gegen Iran, ist vermutlich sehr klein. Die Liste beginnt meistens mit John Bolton, dem Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump, der schon seit Jahren von einem gewaltsamen Regimewechsel in Teheran schwadroniert. Aber nach Bolton ist dann oft Schluss. Selbst Außenminister Mike Pompeo, der kein Problem mit militärischer Gewalt hat, gilt eher als Mann, der zwar zum Krieg gegen Iran bereit wäre, aber nicht als jemand, der diesen Krieg unbedingt will.

Und obwohl die Krise zwischen den USA und Iran nun seit Monaten schwelt, ist immer noch unklar, was der wichtigste Akteur in Washington will - der Präsident. Sicher ist: Trump ist kein Freund von Militärinterventionen im Nahen Osten. Er droht Iran zwar mit Krieg, und er hat die US-Militärpräsenz in der Region verstärkt. Aber das scheint für Trump eher eine Methode zu sein, um vor möglichen Verhandlungen den größtmöglichen Druck aufzubauen, nicht, um einen Militärschlag vorzubereiten. Dass er tatsächlich einen Waffengang mit Iran beginnen möchte, ist eher zweifelhaft.

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Die USA geben Iran die Schuld an den Attacken im Golf von Oman und präsentieren ein Video. Teheran weist die Vorwürfe als "haltlose Behauptung" zurück. Die Crew eines der beiden Schiffe ist wieder an Bord.

Aber was dann? Trump bestreitet, dass er einen Regimewechsel in Teheran anstrebt. Im Gegenteil: In den vergangenen Wochen ließ er kaum eine Gelegenheit aus, Iran Verhandlungen anzubieten. Diese Woche erst war der japanische Premier Shinzō Abe zu Besuch in Teheran und hat dort im Namen Trumps ausgerichtet, dass die USA reden wollten.

Etwas vage ist allerdings, worüber Trump mit Iran verhandeln will. Über ein neues Atomabkommen, das jenes ersetzt, das er zur großen Wut Irans und der Europäer gekündigt hat? Teheran vom Bau atomarer Waffen abzuhalten, ist erklärtermaßen Trumps wichtigstes Ziel. Doch was ist mit dem iranischen Raketenprogramm und der Einmischung Teherans in anderen Ländern in der Region, von Libanon über Syrien bis Jemen? Beidem will Washington ein Ende setzen. Sollen diese Themen also auch Gegenstand von Gesprächen sein? Und wann sollen derartige Verhandlungen beginnen?

Die Unklarheit bezüglich der amerikanischen Intentionen und Strategie war in den vergangenen Tagen offensichtlich. Da war einerseits Pompeo, der am Donnerstag in Washington vor die Presse trat und Iran bezichtigte, für die jüngsten Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman verantwortlich zu sein. Da war US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan, der am Freitag sagte, die US-Regierung bemühe sich um einen internationalen Konsens. "Ich und Botschafter Bolton und Minister Pompeo konzentrieren uns darauf, einen internationalen Konsens mit Blick auf dieses internationale Problem zu bilden." Dazu würden sie auch Geheimdienstinformationen weitergeben. Das für die Region zuständige US-Zentralkommando veröffentlichte ein Video, das Teherans Schuld belegen soll. Auf diesem sei, so die Darstellung des US-Militärs, ein iranisches Patrouillenboot zu sehen, dessen Besatzung eine nicht explodierte Haftmine von einem der Tanker abmontiert und an Bord nimmt. Am Freitagabend äußerte sich der britische Außenminister zu den Angriffen. "Unsere eigene Einschätzung führt uns zu der Annahme, dass die Verantwortung für die Angriffe fast ganz sicher beim Iran liegt", sagte Jeremy Hunt. Kein anderer Staat oder nicht-staatlicher Akteur käme dafür vernünftigerweise in Betracht, betonte Hunt. Beweise legte der Minister ähnlich wie zuvor sein Kollege Pompeo nicht vor.

Trotz dieser schweren Vorwürfe blieb Pompeo gemäßigt. "Unsere Politik besteht weiterhin darin, Iran durch ökonomische und diplomatische Mittel zum richtigen Zeitpunkt an den Verhandlungstisch zurückzuholen und eine umfassende Einigung voranzutreiben, die eine große Bandbreite von Bedrohungen betrifft", versicherte er. Kein Wort von Krieg. Statt dessen: Verhandlungen und Einigung.

Andererseits war da Trump selbst, der am Freitag bei Fox News nochmals betonte, es bestehe keinerlei Zweifel daran, dass Iran für die Angriffe auf die Tanker verantwortlich sei. Das beweise das Video von dem Patrouillenboot. "Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter, so viel ist sicher", warnte er. Klarer wurde die Lage durch die Äußerungen von Pompeo und Trump nicht.

Die Sorge in den USA und Europa ist freilich, dass es am Ende egal ist, was Trump genau will. Krisen wie jene, die sich derzeit zwischen Washington und Teheran entfaltet, bergen enormes Eskalationspotenzial. Beobachter befürchten, dass durch die wechselseitigen Drohungen auf beiden Seiten die Hardliner gestärkt werden. Dann könnte ein kleiner Zwischenfall reichen, damit die Lage außer Kontrolle gerät. Das muss nicht so kommen. Aber das Vertrauen, dass ausgerechnet Donald Trump dann ruhig und überlegt reagiert, ist in Washington nicht groß.

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