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Irak zwischen Terror und Religionskrieg:Es geht um Macht, Religion und das Überleben

Als früherer Vize-Armeechef kann Duri die von den USA 2003 mit der Auflösung der Streitkräfte von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzten Offiziere an sich binden, aber auch die meist nur auf eigene Interessen bedachten Stämme integrieren. Sie verfügen über Zehntausende junge Männer. Und damit über Kämpfer.

Auch Mossul als Ausgangspunkt der Erhebung spricht für eine Verwicklung alter Saddam-Kader: Mossul war immer Hochburg des arabischen Nationalismus, der Baath-Ideologie Saddams. Bei all dem ist Duri als frommer Muslim für die ultrareligiösen Isis-Dschihadisten akzeptabel, zumindest in einem taktischen gedachten Zweckbündnis.

Kurz: Saddams Vertrauter ist wohl der Einzige, der die Sunniten zurück an die Macht bringen könnte in Bagdad. Das ahnten selbst die Amerikaner: Ihr Kopfgeld auf den rothaarigen Duri betrug zehn Millionen Dollar.

Premierminister Maliki versucht die Nation zu einen

Wie gefährlich die Lage ist, wissen auch die Schiiten: Es geht um ihre Macht, ihre Religion, ihr Überleben. Die Isis-Militanten betrachten die Schiiten als Ketzer, als Nicht-Muslime. Sie wollen ihre heiligen Stätten in Nadschaf, Kerbala und Samarra zerstören. Ayatollah Ali al-Sistani, geistliches Oberhaupt des Irak und ein sonst immer auf Versöhnung pochender Schiitenführer, hat zum Heiligen Krieg aufgerufen.

Alle müssten "Land, Volk und heilige Stätten" schützen. Als Märtyrer zu sterben sei "ehrenvoll". In Bagdad und im Südirak melden sich Tausende als Freiwillige. Der Vor-marsch auf Bagdad könnte den Militanten also schwerfallen, der Isis-Blitzkrieg bald feststecken. Zumal die Schiiten auch noch eigene Milizen haben, die viele Tausend Mann stark sind.

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Sie sind Dschihadisten, reich, unabhängig und nicht mehr zu steuern: Die Isis gilt als gefährlichste Terrorgruppe der Welt. Jetzt müssen sich selbst die Saudis fürchten, die sie einst mit Geld unterstützt haben.   Von Tomas Avenarius

Premierminister Nuri al-Maliki, auch Schiit, versuchte, die vor dem Zerfall stehende Nation rhetorisch zu einen: Das Land stehe im Kampf gegen Terroristen. Am Ende seien alle Iraker: "Hört nicht auf die, die von Sunniten und Schiiten reden", so der Premier, der nach dem schmählichen Zusammenbruch seiner Armee politisch enorm geschwächt ist, vielleicht um Hilfe der Iraner oder der USA bitten muss. Spätestens dies zeigt angesichts der Erzfeindschaft zwischen Teheran und Washington, wie ernst die Lage im Irak ist.