IOC-Präsident bei Olympia:Thomas Bach tut viel, aber oft das Falsche

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IOC-Präsident bei Olympia: IOC-Boss Thomas Bach bei der Abschlussfeier - er bleibt ein fragwürdiger Präsident.

IOC-Boss Thomas Bach bei der Abschlussfeier - er bleibt ein fragwürdiger Präsident.

(Foto: AP)

IOC-Chef Thomas Bach hat einiges angestoßen - doch in ganz entscheidenden Belangen liegt er daneben.

Von René Hofmann

Die letzte Siegerehrung ließ er sich dann doch nicht nehmen. Die Schnellsten des Marathon-Laufs werden stets bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele gekürt, die Medaillenübergabe hat mehr Zuschauer als alle anderen. Am Sonntagabend in Rio war es also der Chef selbst, der zur Tat schritt: Thomas Bach dekorierte in seiner Rolle als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees die Läufer in der traditionsreichen Disziplin.

Bach, 62, wurde im September 2013 zum IOC-Oberhaupt gewählt. Die Sommerspiele von Rio waren also seine ersten im Amt. Was dabei auffiel: Der mächtige Sportführer hat sich auf der großen Bühne nicht in den Vordergrund gedrängt. Bei der Eröffnungs- und der Schlussfeier trat Bach auf, dazwischen hielt er sich schwer zurück. Nur einmal erhob er wirklich die Stimme, als der französische Stabhochspringer Renaud Lavillenie bei der Siegerehrung ausgepfiffen wurde, weil er sich über das brasilianische Publikum beklagt hatte. "Schockierend" sei das gewesen, fand Bach, "unakzeptabel für Olympia." Zu den Preisrichtern, die nach fragwürdigen Urteilen heimgeschickt wurden, und zu seinem treuen Gefolgsmann Patrick Hickey, den die brasilianischen Behörden festsetzten, weil ihm Ticketschiebereien unterstellt werden, fiel Bach derlei nicht ein.

Bach, das war in Rio deutlich zu sehen, hat im IOC einiges angestoßen. Bei der Eröffnungs- und der Schlussfeier wurde das Protokoll geändert. Zu beiden Gelegenheiten überreichte Bach nun Preise, die es zuvor nicht gab. Zum Ausklang an sechs ausgewählte Bürger, angeblich weil die Bewohner der Olympia-Stadt den Spielen so begeistert begegnet waren. Komisch, dass trotzdem so viele Plätze leer geblieben waren, auch bei der Schlussfeier.

Bach hat ein Flüchtlings-Team erschaffen, das auf das Schicksal vieler Entwurzelter hinweisen soll. Und schließlich gibt es nun den sogenannten Olympic Channel, eine Multimedia-Plattform gestartet während der Schlussfeier, die die Spiele bis zu den nächsten Auftritten in Asien in Erinnerung halten soll: 2020 gastieren die Sommerspiele in Tokio, davor und danach findet das Winter-Pendant in Pyeongchang in Südkorea statt und in Peking.

Es ist nicht so, dass Bach nichts tut. Was ihm aber viele vorhalten: dass er das Falsche tut. Vor zwei Jahren, bei den Winterspielen in Sotschi, ließ er die Norweger wegen Trauerflor rügen. In Rio ließ er ein russisches Team einmarschieren, obwohl es in dem Land nachweislich Staatsdoping gab. Das sei richtig so gewesen, behauptet der Jurist, das Recht auf eine individuelle Betrachtung von Schuld verbiete jede Kollektivstrafe. Viele hätten das verstanden, nur viele deutsche Medien nicht. Beides ist falsch. Auch in Großbritannien und den USA gab es Kritik an der Entscheidung. Und russische Athleten, denen nichts nachgewiesen wurde, hätten in Rio durchaus auch bei einem generellen Bann gegen ihr Land auflaufen können: unter der neutralen Flagge des IOC.

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