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Hamburger Olympia-Bewerbung:Angstmacher unter den Nein-Sagern?

Hamburg konnte das Misstrauen nicht bezwingen, auch wenn die Bewerber verkündeten, es anders machen zu wollen - sauberer, transparenter, kompakter, ökologischer, kalkulierter. Eine gewaltige Werbekampagne überzog die Stadt, so als hänge deren Zukunft an diesem Sportfest. Und es hätte ja beinahe auch funktioniert: 48 Prozent der Abstimmenden folgten der Vision, die tatsächlich schön anzusehen war. Aber die Strategen haben die Gesamtstimmung unterschätzt.

Das Missverständnis zeigt, wie sich Politiker und Lobbyisten von der eigenen Begeisterung berauschen lassen und vom Publikum entfernen können. Zu den Olympia-Antreibern gehörten zum Beispiel die Erfinder der beliebten Hamburger Spielzeugstadt Miniatur Wunderland. Sie klagen jetzt über Angstmacher unter den Nein-Sagern. Ihre Frustration mag verständlich sein, aber Hamburg ist kein Miniatur Wunderland. Hamburg ist eine aufgeklärte Großstadt.

Es gibt außer Affären und Terrorangst genügend Gründe, gegen Olympia vor der Haustür zu sein. Die Finanzierung war mit dem Bund nicht geklärt, außerdem werden solche Riesenprojekte fast immer teurer als geplant. Die Mieten sind schon genug gestiegen, und Hamburg ist trotz allen Wohlstands auch ein Hort sozialer Härten; dazu sind Zehntausende Flüchtlinge unterzubringen und zu versorgen. Und muss sich Hamburg vom Staat wirklich einen künftigen Stadtteil namens OlympicCity bezahlen lassen?

Als städtisches Symbol für Glanz und Fehlkalkulation dient die Elbphilharmonie, die nun zehnmal so viel kostet wie ursprünglich errechnet. Immerhin wird das Konzerthaus noch vor dem Berliner Großflughafen fertig. Gewiss: Man kann generell über Deutschlands Protestkultur streiten, siehe Dauerbrenner wie Stuttgart 21. Aber es gibt keinen Anlass, an Volksabstimmungen zu zweifeln.

Manche Verlierer dieses Referendums tun das; das ist ein Fehler. Direkte Demokratie kann eine Brücke sein, Politik und Wähler haben sich genug entfremdet. Bürgersinn ist nicht generell der Feind von großen Ideen, aber Bürgersinn kann falsche Euphorie entlarven. Das Risiko des Scheiterns müssen Planer eingehen. Hamburgs Votum ist keine Blamage. Es ist die Meinung einer knappen Mehrheit. Hamburg bleibt eine schöne, attraktive Stadt - die sich ohne Olympia vielleicht umso besser entwickeln kann.

© SZ vom 01.12.2015/jbe
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