Rechte Kundgebung Rassistischer Übergriff während "Montagsdemo" in Halle

Teilnehmer der rechten Demonstration in Halle sollen den Hitlergruß gezeigt und "Sieg Heil" gerufen haben.

(Foto: dpa)
  • Bei der rechten "Montagsdemo" in Halle an der Saale hat es offenbar einen rassistischen Übergriff gegeben.
  • Die Polizei ermittelt gegen unbekannte Demonstranten, die einen Menschen beschimpft und eine Flasche nach ihm geworfen haben.
  • Der Fall erinnert an die jüngsten Vorfälle in Chemnitz, wo rechte Demonstranten Menschen gejagt haben.
Von Jana Anzlinger

Rechte Demonstranten in Halle an der Saale haben einen Menschen offenbar wegen seines Aussehens attackiert. Der Polizei zufolge ereignete sich der Übergriff während der Demonstration am Montagabend. In der Innenstadt hat demnach eine Gruppe einen Menschen rassistisch beschimpft und ihm den Hitlergruß gezeigt sowie eine Flasche nach ihm geworfen. "Der Übergriff fand zwar außerhalb der Demo statt, aber wir sehen wegen der zeitlichen und örtlichen Nähe einen kausalen Zusammenhang", erklärte eine Sprecherin der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt der SZ.

Einer der Tatverdächtigen ist der Polizei namentlich bekannt, zudem ermittelt sie gegen unbekannt. Zwei Zeuginnen haben der Polizei den Tathergang geschildert. Das Opfer selbst haben die Beamten noch nicht gefunden. Es war offenbar ein Passant, den die Rechten wegen seines Äußeren als vermeintlichen Migranten gesehen und zum Ziel gewählt hatten.

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An der sogenannten Montagsdemo in der sachsen-anhaltischen Stadt nahmen 450 Menschen teil. Der Polizei zufolge wird gegen drei weitere von ihnen ermittelt, weil sie den Hitlergruß gezeigt haben sollen und gegen einen anderen Demonstranten wegen seiner Hakenkreuz-Tätowierung. Außerdem riefen Demo-Teilnehmer "Sieg Heil", prügelten sich untereinander und bespuckten einen Polizisten. Auch gegen einen Redner wird wegen seiner Äußerungen auf der Kundgebung ermittelt.

"Die Stimmung war doch recht aggressiv", schildert die Polizeisprecherin. Viele Teilnehmer seien betrunken gewesen. Man habe die Lage aber völlig im Griff gehabt.

Eine Gegenveranstaltung mit 80 bis 100 Teilnehmern blieb friedlich. Die Gegendemonstranten wollten zunächst direkt an den rechten Demonstranten vorbeilaufen, das erlaubte die Polizei aber nicht. Gerüchte, es seien zu wenig Einsatzkräfte vor Ort gewesen, um die beiden Demonstrationszüge zu trennen, dementierte die Sprecherin jedoch. Es seien "mehrere Hundertschaften" und damit "ausreichend Polizeibeamte" im Einsatz gewesen.

Die "Montagsdemo" findet in Halle alle zwei Wochen statt, allerdings in wesentlich kleinerem Rahmen - normalerweise nehmen wenige Dutzend Menschen teil. Dieses Mal mobilisierte die rechte Szene deutlich mehr ihrer Anhänger.

Zuvor hatte es im sächsischen Chemnitz und im sachsen-anhaltischen Köthen ebenfalls rechte Demonstrationen gegeben, bei denen eine fremdenfeindliche Stimmung herrschte und Menschen angegriffen wurden.

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