Offener Brief an Westerwelle Rücktrittsforderung aus Südwest-FDP

Der Widerstand gegen den Parteichef wächst: Namhafte Liberale aus Baden-Württemberg drängen Westerwelle zum Rückzug, in Rheinland-Pfalz nennt ihn der FDP-Fraktionschef einen "Klotz am Bein". In der neuesten Umfrage bleiben die Liberalen stabil - bei vier Prozent.

Mit den ätzenden Ausführungen des Kieler FDP-Fraktionschefs Wolfgang Kubicki hat die Woche für Guido Westerwelle ärgerlich begonnen, doch nun nimmt die Sache für den Bundesvorsitzenden bedrohliche Ausmaße an: Aus zwei wichtigen Landesverbänden dringt Kritik, die öffentlich, unverblümt und eindeutig ist.

Gerät immer stärker unter Druck aus den eigenen Reihen: FDP-Chef Guido Westerwelle

(Foto: dpa)

Ausgerechnet aus Baden-Württemberg, einem Stammland der Liberalen, in dem sie sogar einmal den Ministerpräsidenten stellten, kommt eine Rücktrittsforderung. Mehrere prominente Mitglieder der Südwest-FDP drängen Westerwelle in einem offenen Brief zum Rückzug von der Parteispitze, berichtet die Südwest Presse. Und dieser Schritt solle - bitteschön - recht bald passieren: Noch vor der Landtagswahl am 27. März.

Der Ehrenvorsitzende der Stuttgarter FDP, Wolfgang Weng, fordere Westerwelle in dem Schreiben auf, spätestens beim Dreikönigstreffen Anfang Januar in Stuttgart anzukündigen, dass er nicht wieder für den Parteivorsitz kandidieren werde. Damit erhielten die Wahlkämpfer im Land "die Chance, das Negativ-Image abzustreifen, das leider mit Ihrer Person medial verbunden ist und das sich bedauerlicherweise nicht mehr ändern lässt", zitiert die Zeitung aus dem offenen Brief, der im Laufe des Tages bundesweit verschickt werden soll. Auch Ex-Staatssekretär Georg Gallus und der Göppinger Kreisvorsitzende Winfried Hüttl hätten das Schreiben unterzeichnet, schreibt das Blatt.

Ein führender Kopf der ebenfalls wahlkämpfenden Liberalen in Rheinland-Pfalz zeigt inzwischen ebenso unverhohlen, wie wenig er noch vom einstigen Zugpferd Westerwelle hält: Westerwelle hänge seit Monaten "wie ein Klotz am Bein", klagt der Mainzer FDP-Fraktionschef Herbert Martin im Gespräch mit Spiegel Online.

Mertin, der auch FDP-Spitzenkandidat bei der anstehenden rheinland-pfälzischen Landtagswahl ist, verzichtet deshalb auf die Unterstützung von Guido Westerwelle. Im Wahlkampf will er ihn nicht dabeihaben und wähnt das einfache Parteivolk hinter sich. Die Stimmung sei so, dass Westerwelles Auftreten "an der Basis nicht als hilfreich" angesehen werde.

Der Umgang Westerwelles mit seinem bisherigen Büroleiter Helmut Metzner scheint die Stimmung bei einigen Liberalen noch weiter verschlechtert zu haben. Metzner war der "Maulwurf", der der amerikanischen Botschaft in Berlin Informationen zukommen hat lassen - durch die Veröffentlichungen von Wikileaks war er enttarnt worden. Westerwelle hatte zunächst seinen Vertrauten in Schutz genommen, nach anhaltender Kritik trennte sich die FDP dann doch von ihrem Mitarbeiter. Auch Westerwelles Verhalten im Fall Metzner sei "nicht hilfreich" gewesen, schimpft der Mainzer FDP-Fraktionschef Mertin.

Der Blick auf die jüngste Umfrage von Forsa wird die Laune kaum heben: Die Erhebung sieht die FDP stabil - bei vier Prozent. Angesichts solch katastrophaler Werte pocht der Mainzer Mertin auf Veränderungen. Man müsse sich etwas einfallen lassen und analysieren, "in welcher Konstellation" man das mache. Für den angeschlagenen Vizekanzler hat Mertin noch einen Rat für die Feiertage bereit: Westerwelle möge die "besinnlichen" Weihnachtstage nutzen und sich überlegen, "wie wir wieder in die Offensive kommen".

Mertins Landesparteichef wird diese Äußerungen aufmerksam lesen: Denn die Pfälzer Liberalen werden seit langem von dem Mann geführt, der bei einem Westerwelle-Rücktritt wohl die besten Chancen auf den Parteivorsitz hat: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle.

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