Gesundheitsminister Spahn Hebammenausbildung soll reformiert werden

Gesundheitsminister Jens Spahn

(Foto: dpa)
  • Bisher dauert die Ausbildung an Hebammenschulen oder in Kliniken drei Jahre.
  • "Die Anforderungen an Geburtshilfe steigen ständig", sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
  • Künftig sollen Hebammen akademisch ausgebildet werden, und zwar in einem dualen Studium mit einem Abschluss als Bachelor (B.A.).
Von Renate Meinhof

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nun umsetzen, worauf sich die Parteien schon im Koalitionsvertrag geeinigt hatten: Hebammen werden in Deutschland in Zukunft akademisch ausgebildet, und zwar in einem dualen Studium mit einem Abschluss als Bachelor (B.A.). "Die Anforderungen an Geburtshilfe steigen ständig", sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Hebammen helfen beim Start ins Leben. Dafür brauchen sie die bestmögliche Ausbildung - theoretisch und praktisch." Bisher dauert die Ausbildung an Hebammenschulen oder in Kliniken drei Jahre.

Mit der Akademisierung setzt Spahn nun auch eine Richtlinie der Europäischen Union um, nach der die Ausbildung für das Berufsfeld bis zum Januar 2020 reformiert sein muss. Vorgegeben sind zwölf Jahre Schulbildung. Auch sollen in noch stärkerem Maße als bisher wissenschaftliche Inhalte aus den Bereichen Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Allgemeinmedizin und Pharmakologie vermittelt werden.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sagte im Hinblick auf die geplante Akademisierung: "Das Studium für Hebammen kann nur Angebot und nicht Pflicht sein." Viel wichtiger seien eine bessere Bezahlung von Hebammen und Kliniken für Geburten. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, fand Spahns Ankündigung gut. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, da die Vorgaben für die akademische Ausbildung dann auch noch in jeweiliges Landesrecht umgesetzt werden müssten.

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kirsten Kappert-Gonther sprach von einem "überfälligen" Schritt. Die Bundesregierung habe die Reform "jahrelang vertrödelt", jetzt dürfe es kein halbherziger Schnellschuss werden. Die Expertise erfahrener Hebammen müsse in die akademische Ausbildung einfließen. Spahn müsse bessere Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen ermöglichen. "Zudem muss dringend die Vergütung für natürliche Geburten angehoben werden", forderte sie.

Die Situation in der Geburtshilfe ist inzwischen dramatisch

Der Deutsche Hebammenverband dringt nun auf eine schnelle Umsetzung der Reform. Damit werde die bestmögliche Versorgung von Frauen und Kindern erzielt und ein traditioneller Frauenberuf aufgewertet, sagte die Verbandspräsidentin Ulrike Geppert-Orthofer am Mittwoch in Berlin. Deutschland sei das letzte Land in der EU, das Hebammen noch nicht an Hochschulen ausbilde.

Die Situation in der Geburtshilfe ist inzwischen dramatisch. Hebammenverbände und Vereine wie Mother Hood hatten seit Jahren auf die Missstände aufmerksam gemacht. Es fehlt an Hebammen im Land. Viele Absolventinnen von Hebammenschulen gehen gar nicht erst in die Geburtshilfe, unter anderem, weil sie die hohe Verantwortung abschreckt, die sich nicht in der Bezahlung niederschlägt.

Schwangere, gerade auf dem Land, müssen heute lange suchen, um eine Hebamme für die Vor- und Nachsorge zu finden. Und während die Geburtenzahlen wieder steigen, haben immer mehr Kliniken wegen Mangels an Personal und Geld ihre Kreißsäle geschlossen. In den Industrieländern werden 98 Prozent der Kinder in Kliniken geboren.

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