George H. W. Bush Der Diplomat im Weißen Haus

George H.W. Bush bei einer Rede vor den Vereinten Nationen 1971.

(Foto: AP)

Deutsche Einheit, Irakkrieg, das Ende des Kalten Krieges: George H. W. Bush war als US-Präsident mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Nun starb der Staatsmann, der Politik für schmutzig hielt, im Alter von 94 Jahren.

Nachruf von Sebastian Gierke

Ein Versager, wie es ihn selten gegeben hat in der langen Reihe der US-Präsidenten. Ein "One Term President", vier Jahre nur im Amt, nicht wiedergewählt. Einer, der es nie geschafft hat, aus dem Schatten seines Vorgängers zu treten, der seine Versprechen gebrochen hat. Und: ein Langweiler.

Das war lange das Bild, das die öffentliche Wahrnehmung von George Herbert Walker Bush bestimmte. Jetzt ist er, der die vergangenen Jahre an Parkinson gelitten hat, im Alter von 94 Jahren gestorben - und wird als einer der populärsten Präsidenten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die US-Historie eingehen. Lange hat es keinen US-Präsidenten mehr gegeben, dessen Imagewandel nach der Amtszeit so tiefgreifend war.

In die Jahre 1989 bis 1993, die Jahre seiner Präsidentschaft, fallen politische Ereignisse von globaler Bedeutung: Das Ende des Kalten Krieges, die deutsche Wiedervereinigung und der erste Irakkrieg. Ohne George Bush an der Spitze der zumindest damals mächtigsten Nation der Welt, hätten diese Ereignisse eine andere, eine möglicherweise zerstörerische Wendung genommen. Denn Bush wusste, was Krieg bedeutet - und wie wichtig es ist, Dinge zum Positiven zu wenden.

Der 2. September 1944 war ein entscheidender Tag in seinem Leben. George Bush hatte gerade eine Bombe auf eine japanische Funkstation abgeworfen, als sein Flugzeug über dem Pazifik abgeschossen wird. Der Lieutenant Junior Grade rettet sich aus dem Flugzeug per Fallschirm, die drei anderen Soldaten im Flugzeug schaffen es nicht. Drei Stunden schwimmt Bush durch den Ozean, hinter ihm ein japanisches Schiff. Erst dann nimmt ihn ein US-amerikanisches U-Boot auf.

Kein typischer Politiker

Dieser Schock, der Tod der Kameraden, die drei Stunden im Wasser, die Angst vor dem eigenen Tod - all das hat das Leben von George Bush geprägt.

Bush war kein typischer Politiker. Im Kern seines Wesens wollte er mit der Politik nichts zu tun haben. Er hielt sie für eine schmutzige, eine unfaire Sache. Aber eben eine, die man mitmachen musste. So lange, bis man Präsident ist, also in einem Amt, das einen aus all dem Schmutz und der Unfairness erhebt.

Geradlinig durch turbulente Zeiten

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Er war ein Mann mit Prinzipien, angetrieben vom Konkurrenzdenken, er wollte es allen zeigen. Vor allem seinem Vater Prescott Bush, für ihn eine überlebensgroße Figur, der als Investor und im Ölgeschäft ein Vermögen gemacht hat.