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Gehalt:"Hier muss die Landesregierung für umfassende Transparenz sorgen"

Wendts Minister heißt Ralf Jäger, er leitet das Innenressort in Düsseldorf und ist von der SPD. Bislang äußerte sich Jäger "aus Zeitgründen" nicht dazu, allerdings bestätigte sein Ministerium Wendts Angaben. Demnach wurde die Praxis unter Jägers Amtsvorgänger Ingo Wolf (FDP) eingeführt.

Nun prasselt Kritik auf Wendt - ungeachtet von Jägers Parteizugehörigkeit und der Tatsache, dass in Düsseldorf eine rot-grüne Koalition regiert. Cem Özdemir sagte der SZ, eine solche Doppelbezahlung sei inakzeptabel und er forderte Aufklärung, wie es bei Wendt dazu kommen konnte und ob es weitere Fälle gebe. "Hier muss die Landesregierung für umfassende Transparenz sorgen", sagte Özdemir. Ralf Stegner, der stellvertretende SPD-Chef, warf Wendt vor, mit der "Wahrheit auf Kriegsfuß" zu sein. Und Thüringens linker Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte, Wendt erinnere ihn an das Kinderbuch "Die Raupe Nimmersatt".

Ob Wendt zunächst gedacht hat, dass die Journalisten seine Lügen vor laufender Kamera glaubten, ist unklar. Klar ist allerdings, dass der 60-Jährige seinen Funktionärsposten behalten will. Wendt hat bei der Polizei nach dem Interview eilig seine vorzeitige Pensionierung beantragt. Das nun fehlende zweite Gehalt dürfte er verschmerzen können. Denn er hat vor ein paar Monaten das Buch "Deutschland in Gefahr" veröffentlicht, das zum Bestseller avanciert ist.

Darin klingt er teilweise wie ein Rechtspopulist. Wendt schwadroniert über "Verteilungskämpfe" zwischen "uns" und den "Fremden". Wendt zweifelt daran, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist. Er behauptet, "die Hälfte der Deutschen hat es satt, als Nazis abgestempelt zu werden" - wobei nicht ganz klar ist, wer da angeblich stempelt. Solche Sprüche kommen bei der AfD prima an, AfD-Chefin Frauke Petry pries Wendt für seinen "Klartext".

Der Polizeigewerkschaftler schreibt in seinem Buch auch, dass der Staat zu lasch sei. Mit Blick auf seine eigene Person könnte das schon stimmen.

© SZ.de/mkoh

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