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Gedenken an Ersten Weltkrieg:Triumph der Freundschaft

Zum ersten Mal feierten Deutschland und Frankreich gemeinsam das Ende des Ersten Weltkriegs. Die Freundschaft sollten Merkel und Sarkozy für die Europapolitik nutzen.

Es gibt Orte, an denen sich Geschichte wie in einem Brennglas bündelt. Die Place d'Étoile mit dem Arc de Triomphe ist so ein Platz. Napoleon befiehlt 1806 den Bau des Triumphbogens in Paris, um seine Schlachten auf den Feldern Europas und die Siege der Revolution zu feiern.

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel bewegten sich auf besonderem Boden, als sie unter dem Arc de Triomphe die Flamme am Grab des unbekannten Soldaten entzündeten. Zum ersten Mal feierten Deutschland und Frankreich gemeinsam den 11. November in Paris.

(Foto: Foto: dpa)

Ein halbes Menschenleben später wird der Leichnam des gescheiterten Imperators durch den Arc de Triomphe gefahren. 1871 defilieren preußische und bayerische Truppen unter Kaiser Wilhelm I. an dem steinernen Bogen vorbei. Seit 1920 gedenkt Frankreich hier des Waffenstillstandes nach dem Ersten Weltkrieg und der deutschen Kapitulation. Schon 20 Jahre später marschieren wieder deutsche Soldaten auf. Ihr Oberbefehlshaber heißt Adolf Hitler. 1944 triumphiert Charles de Gaulle auf dem Sternenplatz, der heute seinen Namen trägt.

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel bewegten sich also auf besonderem Boden, als sie am Mittwoch unter dem Arc de Triomphe die Flamme am Grab des unbekannten Soldaten entzündeten. Zum ersten Mal feierten Deutschland und Frankreich gemeinsam den 11. November in Paris. Helmut Kohl und Gerhard Schröder schreckten davor noch zurück, wohl weil sie der Tag zu schmerzhaft an die deutsche Niederlage und den harten Versailler Vertrag mit seinen fatalen Folgen erinnerte.

Während die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs, der deutschen Schuld und der Verantwortung für Europa die Nachbarländer einte, trennte sie das Gedenken an den Ersten Weltkrieg noch. Das ist vorbei. Am Mittwoch standen französische und deutsche Soldaten um den Triumphbogen. Ein französischer Chor sang die deutsche Nationalhymne. Und die Kanzlerin rief in den Himmel über Paris: "Vive la France!"

Millionen französische und deutsche Soldaten sind gefallen, bevor dies möglich wurde. Hätte man den schmutzverkrusteten, ausgemergelten Männern in den Schützengräben bei Verdun solche Szenen vorausgesagt, sie hätten sie für Trugbilder gehalten. Nun aber schließt sich ein Kapitel der Geschichte. Die deutsch-französische Freundschaft hat sich endlich auch den 11. November einverleibt.Geschichtspessimisten könnte das zu denken geben, denn es zeigt: Nationen sind lernfähig. Scheinbar ewige Feindschaft lässt sich in Freundschaft verwandeln. Sarkozy und Merkel haben diesen Prozess besiegelt, zwei Politiker, welche die Gemetzel der beiden Völker nicht mehr erlebten.

Gedenken an Weltkrieg

"Vive la France, vive l'Allemagne"