Geberkonferenz "Syrien-Krieg ist schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg"

Mogherini: "Die Attacke gibt uns allen die Verantwortung zusammenzuarbeiten, und das richtig."

(Foto: AP)
  • Bei der Geberkonferenz in Brüssel wird nach dem Giftgasangriff Einigkeit betont, um das Leid der Syrer zu beenden.
  • Mit sechs Milliarden Dollar soll humanitäre Hilfe geleistet werden. Auch in den Nachbarstaaten, die besonders viele Flüchtlinge aufgenommen haben.

Der mutmaßliche Giftgasangriff in der nordsyrischen Provinz Idlib mit mehr als 70 Toten war auch bei der internationalen Geberkonferenz in Brüssel das zentrale Thema - und er vereinte offenbar die unterschiedlichen Teilnehmer. "Die Attacke gibt uns allen die Verantwortung zusammenzuarbeiten, und das richtig", sagte die EU-Außenbeauftrage Federica Mogherini bei der anschließenden Pressekonferenz. "Wir verurteilen die Nutzung von chemischen Waffen, das darf sich nicht wiederholen." Alle Hinweise würden auf das Regime von Baschar al-Assad als Verantwortlichen deuten, betonte der britische Außenminister Boris Johnson. "Sie müssen schon weit zurückschauen in der Geschichte, um einen Tyrannen zu finden, der unter solchen Umständen im Amt geblieben ist."

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Vorrangig ging es bei der Geberkonferenz darum, Hilfen in Milliardenhöhe für das Bürgerkriegsland zusammenzubekommen. An dem Brüsseler Treffen nahmen Vertreter von mehr als 70 Staaten und internationalen Organisationen teil. Sie sicherten insgesamt sechs Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) zur Versorgung von Flüchtlingen in diesem Jahr zu.

Hilfe könne diejenigen in Not jedoch nicht erreichen, wenn es keine Waffenruhe in Syrien gebe, wurde in Brüssel betont. Eine politische Lösung sei daher das vorrangige Ziel. "Der Syrien-Krieg ist die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg", erklärte der norwegische Außenminister Børge Brende.

Gabriel: "Schäme mich für die europäische Debatte"

Mogherini gab bekannt, dass die Europäische Union der größte humanitäre Geldgeber bleiben und im kommenden Jahr 560 Millionen Euro für Syrien, den Libanon und Jordanien geben wolle. In den kommenden Jahren stellt sie der Türkei zudem bis zu sechs Milliarden Euro für die dort untergekommenen syrischen Flüchtlinge bereit.

"Die Nachbarländer haben Gewaltiges geleistet bei der Aufnahme von Flüchtlinge. Manchmal schäme ich mich für die europäische Debatte. Länder wie Jordanien sind vergleichsweise klein und arm und nehmen so viele Flüchtlinge auf", betonte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel. Die Bundesregierung sagte weitere 1,169 Milliarden Euro für die Versorgung von Syrien-Flüchtlingen zu. Diese Summe verspricht Deutschland demnach zusätzlich zu den 2,3 Milliarden Euro, die es bei der Londoner Geberkonferenz im vergangenen Jahr zugesagt hatte.

Fast 400 000 Menschen wurden in dem seit sechs Jahren tobenden Bürgerkrieg getötet. Beinahe die Hälfte aller Syrer wurde aus ihrer Heimat vertrieben, Millionen Menschen haben Zuflucht im Libanon, in Jordanien und der Türkei gesucht, während andere nach Europa geflüchtet sind. UN-Behörden beziffern die Kosten der Kriegsschäden in Syrien auf knapp 350 Milliarden Dollar (fast 330 Milliarden Euro).

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