Nahost:Raketen erreichen Stadtrand von Jerusalem

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Raketen fliegen vom Gazastreifen aus Richtung Israel.

Raketen fliegen vom Gazastreifen aus Richtung Israel.

(Foto: Mohammed Talatene/dpa)

Die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und dem palästinensischen Islamischen Dschihad sind weiter eskaliert. Am Montag soll sich der UN-Sicherheitsrat in New York damit beschäftigen.

Die israelische Armee und die palästinensische Organisation Islamischer Dschihad (PIJ) haben die schwerste Auseinandersetzung seit mehr als einem Jahr fortgesetzt. In der Nacht zu Sonntag haben die israelischen Streitkräfte erneut mehrere Ziele im Gazastreifen angegriffen - eigenen Angaben zufolge handelte es sich um Waffenlager. Das sei geschehen, nachdem Verteidigungsminister Benny Gantz am Abend die Streitkräfte angewiesen habe, die operativen Bemühungen fortzusetzen, teilte sein Büro mit. Bei der großangelegten Aktion sind zwei PIJ-Militärchefs getötet worden. PIJ ist nach der Hamas die zweitstärkste militärische Kraft im Gazastreifen.

Die militanten Palästinenser feuerten seit Freitagabend ihrerseits angeblich mehr als 400 Raketen auf israelisches Gebiet ab. Die meisten seien abgefangen worden, teilte das israelische Militär mit. Erstmals seit Beginn der israelischen Militäroperation im Gazastreifen hat es am Sonntag auch in Jerusalem Raketenalarm gegeben. Nach Militärangaben heulten rund fünf Kilometer westlich der Stadt am Morgen die Warnsirenen. Einwohner berichteten von Explosionen. Mehrere Juden beteten auf dem Gelände der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem und verstießen damit gegen israelische und muslimische Vorschriften. Palästinenser protestierten dagegen. Der Islamische Dschihad erklärte, die Raketenangriffe auf Jerusalem seien eine Vergeltung für die Tötung ihres Kommandeur im Süden des Gazastreifens.

Sonntagnacht hatte die israelische Armee mitgeteilt: "Die hochrangige Führung des militärischen Flügels des Islamischen Dschihads in Gaza wurde neutralisiert", ohne dies näher zu erläutern. Die militante Palästinenserorganisation hat am Sonntag bestätigt, dass der Kommandeur des Islamischen Dschihads, Chalid Mansur, am Vortag bei israelischen Luftangriffen getötet worden war. "Die Al-Kuds-Brigaden trauern um den Anführer Chaled Mansur, Mitglied des Sicherheitsrates und Kommandeur der südlichen Region", teilte die Organisation mit.

Militärchef des Islamischen Dschihad getötet

Bei den israelischen Angriffen wurden angeblich 29 Menschen getötet und mindestens 253 verletzt. Die Informationen stammen vom palästinensischen Gesundheitsministerium. Unter den Toten seien neben Angehörigen des Islamischen Dschihads sechs Kinder und vier Frauen. Anderen Quellen zufolge sollen bei einem israelischen Luftangriff im Flüchtlingslager Dschabalia fünf Kinder ums Leben gekommen sein.

Israels Militär wies dies jedoch zurück. "Basierend auf Militärdaten scheint es, dass das Ereignis auf eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Dschihads zurückgeht", teilte das Militär mit. Die Streitkräfte hätten zum Zeitpunkt des Ereignisses keine Aktivitäten in Dschabalia durchgeführt. Der Islamische Dschihad selbst äußerte sich nicht dazu, wie viele seiner Mitglieder ums Leben gekommen sind.

Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff über Rafah im Gazastreifen auf.

Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff über Rafah im Gazastreifen auf.

(Foto: Said Khatib/AFP)

Das israelische Militär hatte am Freitag die großangelegte Militäraktion "Morgengrauen" gegen den Islamischen Dschihad gestartet. Dabei wurde auch der Militärchef Taisir al-Dschabari getötet. Der hochrangige Kommandeur war dem Militär zufolge verantwortlich für Raketenangriffe aus dem Küstenstreifen und geplante Angriffe auf Zivilisten.

Vereinte Nationen und Ägypten wollen vermitteln

Die Auseinandersetzungen sollen am Montag auch den UN-Sicherheitsrat in New York beschäftigen. Aus Diplomatenkreisen verlautete am Samstag, dass ein Treffen des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irland, Frankreich, Norwegen und China angefragt worden sei. Eine Uhrzeit stand zunächst noch nicht fest. Das Treffen soll hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Nach Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen traf eine ägyptische Delegation am Samstag in Israel ein und sollte zu Vermittlungsgesprächen nach Gaza reisen. Eine Waffenruhe scheint derzeit nicht in Sicht. "Jetzt ist die Zeit für Widerstand, nicht für Waffenstillstand", sagte ein Vertreter des Islamischen Dschihads der Nachrichtenagentur Reuters. Vieles dürfte davon abhängen, ob die Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, sich den gewaltsamen Aktionen der kleineren Gruppe Islamischer Dschihad anschließt.

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