Fund in Kiew In der Ukraine aufgetauchtes Dokument belastet Trumps einstigen Wahlkampfchef

Paul Manafort steht in dem Verdacht, vom Kreml für Lobbyarbeit bezahlt worden zu sein.

(Foto: AP)
  • Paul Manafort war Trumps Chefstratege in dessen Wahlkampf zum US-Präsidenten. Er steht im Verdacht, Verbindungen zu Russland gepflegt zu haben.
  • Ein in einem verlassenen Büro in der Ukraine aufgetauchtes Dokument belastet Manafort stark.
  • Es soll ein System aus gefälschten Rechnungen belegen, über das Moskau ihn für Lobbyarbeit bezahlt haben soll.
Von Florian Hassel, Warschau

Die Kiewer Sofiiska-Straße 4 ist eine erstklassige Adresse, direkt am Maidan-Platz. Doch selbst in guten Lagen stehen Büros in der kriselnden Ukraine schon mal eine Zeit lang leer. Und so wurde ein zuvor jahrelang von dem amerikanischen Lobbyisten Paul Manafort gemietetes Büro im ersten Stock erst Mitte 2016 wieder von einem neuen Mieter bezogen. Der fand Unterlagen, die Manafort - später Wahlkampfchef von Donald Trump - mutmaßlich zurückgelassen hatte.

Am Dienstag veröffentlichte der ukrainische Parlamentarier Serhii Leschtschenko eines dieser Dokumente: Es belegt dem Parlamentarier zufolge erstmals, wie Manafort vom ehemaligen, kremlnahen Präsidenten Viktor Janukowitsch für Lobbydienste in Washington bezahlt wurde: per Scheinvertrag, dessen Details für mögliche Geldwäsche sprechen - wenn sie denn echt sind. Das Dokument und mögliche weitere dürften Teil des Materials sein, aufgrund dessen die US-Bundespolizei FBI wegen der Russland-Kontakte von US-Präsident Trump und seiner aktuellen und früheren Umgebung ermittelt. Manafort pflegte jahrelang auch gute Kontakte nach Russland; sein langjähriger Bürochef in Kiew, Konstantin Kilimnik, war früher Übersetzer im Dienst des russischen Militärs.

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Als Ermittler des neugegründeten Anti-Korruptions-Büros der Ukraine im Sommer 2016 ein zuvor geheimes Kassenbuch der "Partei der Regionen" des gestürzten Präsidenten Janukowitsch auswerteten, fanden sie neben Zahlungsangaben für die Bestechung von Parlamentariern, Richtern und Journalisten auch 22 Posten mit dem Buchungstitel "Manafort" - insgesamt mehr als 12,7 Millionen Dollar. Manafort dementierte seinerzeit, Bargeld bekommen zu haben: Solche Behauptungen seien "unbegründet, dumm und sinnlos". Doch dem jetzt vom Parlamentarier Leschtschenko präsentierten Vertrag (inklusive einer Rechnung) vom 14. Oktober 2009 zufolge ging es auch gar nicht um Bargeld.

Manaforts Firma stellte angeblich eine Rechnung über Computer - sie vertreibt aber keine Computer

Auf der Rechnung nämlich stellt eine Firma "Davis Manafort" der im Steuerparadies Belize registrierten Firma Neocom Systems 750 000 Dollar für die Lieferung von 501 Computern in Rechnung, zu zahlen auf ein Davis-Manafort-Konto bei der Wachovia-Bank in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia. Unterschrift: Paul Manafort. Neocom Systems wiederum unterhielt Bankkonten bei der Frankfurter Commerzbank und der Asiatic Universal Bank in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.

Doch "Davis Manafort" liefert keine Computer, sondern Politikberatung. Mit Datum vom 14. Oktober 2009 wird im "Schwarzen Kassenbuch" der ehemaligen Regierungspartei eine Zahlung von 750 000 Dollar an "Manafort" aufgeführt. "Der Vertrag über die angeblichen Computerlieferungen ist ein gefälschter Scheinvertrag, der vertuschen soll, wie Geld ukrainischer Bürger für illegale Zahlungen im Ausland genutzt wurde", sagt Serhii Leschtschenko. "Mehrere ehemalige Mitglieder der Partei der Regionen haben mir bestätigt, dass die Partei schwarze Konten in Bischkek oft für Zahlungen unter dem Tisch genutzt hat. Geldwäsche ist in den USA ein Verbrechen - es ist jetzt an den US-Behörden, die Sache aufzuklären." Leschtschenko war vor seiner politischen Karriere Investigativjournalist beim angesehenen Internetdienst Ukrainska Prawda.

Die Unterschrift auf dem von Leschtschenko präsentierten Vertrag gleicht einer Signatur, mit der Manafort eine Erklärung für das US-Justizministerium über seine Lobbyistentätigkeit am 25. April 2000 unterzeichnet hat. Ein Sprecher Manaforts nannte die auf Basis des mutmaßlichen Vertrages erhobenen Anschuldigungen Leschtschenkos laut New York Times indes "grundlos". Auch aus zahlreichen Stellungnahmen des Anti-Korruptions-Büros sei das ersichtlich, "welche die Gültigkeit der Schwarze-Kassen-Belege gegen Mr. Manafort angezweifelt haben".

Authentizität des "Schwarzen Kassenbuchs" wird nicht angezweifelt

Tatsächlich aber hat das ukrainische Anti-Korruptionsbüro die Echtheit des "Schwarzen Kassenbuches" nicht angezweifelt. Das Büro nahm nur einmal - am 18. August 2016 - zum Thema Manafort Stellung: Da veröffentlichte die Anti-Korruptionsbehörde Scans von 19 Seiten mit Zahlungsvermerken von 2007 bis 2012 zum Thema "Manafort" aus dem "Schwarzen Kassenbuch", das von "den Detektiven des Büros untersucht wird". Von Zweifeln an der Authentizität des Kassenbuches wurde seitdem nichts bekannt. Die Korruptionsjäger schränkten lediglich ein, die Zahlungsvermerke seien im Schwarzen Buch vermerkt und nicht von Manafort unterschrieben - und somit noch kein Beweis, dass er tatsächlich das vermerkte Geld bekommen habe.

Ob die jetzt veröffentlichte Rechnung Manaforts bereits der amerikanischen Justiz vorliegt, wollte Leschtschenko nicht sagen. Doch darf man davon ausgehen. Das ukrainische Anti-Korruptions-Büro wird auch mit Hilfsgeld der EU und der USA finanziert. Im Juni 2016 hatte es zur Bekämpfung von Korruption und internationaler Geldwäsche in der Ukraine ein Kooperationsabkommen mit dem FBI abgeschlossen. Das sieht den Austausch von Beweismitteln vor.

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