Umweltaktivisten "Fridays for Future"-Vertreter fordern kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien

Svenja Kannt, Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Šana Strahinjić (v.li.) stellen sich im Sauriersaal des Museums für Naturkunde der Öffentlichkeit.

(Foto: dpa)
  • In Berlin haben vier Aktivistinnen und Aktivisten der "Fridays for Future"-Bewegung ihre Forderungen an die deutsche Politik formuliert.
  • Dazu gehören: der Kohleausstieg bis zum Jahr 2030, die komplette Versorgung des Landes aus erneuerbaren Energien bis 2035 und das Erreichen der sogenannten Nettonull bis 2030.
  • Den Sprechern ist der Frust über die deutsche Klimapolitik deutlich anzumerken.

Vier Vertreter der deutschen "Fridays for Future"-Bewegung haben sich in Berlin nach mehrmonatigen Schulstreiks der Presse gestellt und erstmals ihre zentralen Forderungen vorgetragen. In den Wortbeiträgen der Sprecher Linus Steinmetz, Svenja Kannt, Šana Strahinjić und Sebastian Grieme wurde dabei eine große Frustration über die Klimapolitik der Bundesregierung deutlich.

Kannt sagte, die Forderungen stünden stellvertretend für die gesamte Bewegung in Deutschland und orientierten sich am auf der Pariser Klimakonferenz formulierten 1,5-Grad-Ziel; also dem Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor der Industrialisierung zu begrenzen.

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Der grundsätzliche Vorwurf der Jugendlichen lautet, dass die deutsche Politik sich prinzipiell zum 1,5-Grad-Ziel bekenne und auch das Abkommen unterzeichnet habe, aber nicht danach handle. Deswegen lege man nun selbst konkrete Ziele für Deutschland vor, sagte Steinmetz. Dazu gehören der Kohleausstieg bis zum Jahr 2030, die komplette Versorgung des Landes aus erneuerbaren Energien bis 2035 und das Erreichen der sogenannten Nettonull bis 2030. Mit Nettonull ist gemeint, dass nur noch die Menge an Treibhausgasen ausgestoßen werden soll, die über natürliche Prozesse auch wieder gebunden werden kann, wie zum Beispiel durch das Wachsen von Pflanzen.

Bis Ende 2019 forderten die Sprecher bereits, ein Viertel der Kohlekraft in Deutschland abzuschalten, einen Stopp der Subventionen für fossile Energieträger und eine CO₂-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Konkret nannten sie dabei den Betrag von 180 Euro pro Tonne CO₂.

Das Papier enthalte bewusst keine Maßnahmen, sondern nur Ziele, sagte Steinmetz. Den geeignetesten Weg zu finden, sei jetzt Aufgabe der Politik in enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Steinmetz kündigte an, dass die Schülerstreiks weitergehen werden, bis ersichtlich sei, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens tatsächlich angestrebt werden.

"Wir sind für die nötigen Änderungen bereit"

"Unsere Aufgabe ist es, uns nicht mehr auf die Erwachsenen zu verlassen", sagte er. "Wir sind für die nötigen Änderungen bereit", ergänzte Sebastian Grieme. Laut eigenen Aussagen haben die Aktivisten nicht damit gerechnet, dass die Bewegung in Deutschland eine solche Dimension erreicht. Doch am 15. März seien insgesamt bis zu 300 000 Menschen auf die Straßen gegangen. Den Aktivisten ist laut eigener Aussage allerdings klar, dass die positive Resonanz in der Öffentlichkeit alleine keine Veränderungen bewirken wird. "Wir haben genug von Lob ohne Taten", sagte Šana Strahinjić.

Auf der Internetseite der Bewegung heißt es: "Uns ist bewusst, dass diese Forderungen ambitioniert sind." Doch werde das 1,5-Grad-Ziel verfehlt, seien irreparable Schäden die Folge. Klimaschutz sei kein Kompromiss - so formulierte es Svenja Kannt auf der Pressekonferenz in Berlin.

Nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg streiken seit einigen Wochen auch in Deutschland jeden Freitag Tausende Schüler, um für mehr Klimaschutz und die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zu demonstrieren.

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