Freie Wähler in Berlin:Aiwangers harte Tatsachen

Lesezeit: 3 min

Hubert Aiwanger, umtriebiger Chef der Freien Wähler, will seine Partei auch in den Bundestag bringen. Bei seinem Auftritt in Berlin sollen ihm dabei helfen: ein Hochzeitsmoderator und ein CSU-Kreisvorsitzender, der kürzlich Ärger mit Horst Seehofer hatte.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Der Mann mit der roten Hose verspricht "harte Tatsachen". Die soll gleich Hubert Aiwanger liefern, Chef der Freien Wähler. Und dann sitzt da noch Rolf Baron von Hohenhau. Der ist CSU-Kreisvorsitzender in Augsburg West, worüber noch zu reden sein wird. Aber weil von Hohenhau vor allem Präsident des bayerischen Steuerzahlerbundes ist, wird er in dieser Funktion auch "harte Tatsachen" zu berichten haben, verspricht Christian Christansen, der Mann mit der roten Hose, der dem Berliner Landesverband der Freien Wähler vorsteht. Und das alles mit der Hoffnung verbindet, dass die Handvoll Journalisten, die sich hierherverirrt haben, diese "verkraften" können.

In dem angemieteten Raum im Haus der Bundespressekonferenz sitzen noch mehr Menschen, vor allem Freie Wähler. Aiwanger hat die Spitzenkandidaten aus den Ländern herschaffen lassen. Es ist wohl damit zu rechnen, dass auch die harte Fakten liefern werden. Das könnte spannend werden.

Der eine Spitzenkandidat ist Hochzeitsmoderator und bekannt als DJ Vulkan. Der andere ist Sparkassenkaufmann. Der nächste trägt um die Hüften eine Bauchtasche, was in Kombination mit seinem Anzug einigermaßen gewagt aussieht. Die Dame aus Sachsen-Anhalt nennt sich "nicht die Quotenfrau aus Sachsen-Anhalt sondern die starke Frau aus Sachsen-Anhalt". Außerdem wüssten "die Bürger in Sachsen-Anhalt, dass ich für sie da bin". Wenn die sie denn kennen.

Die Freien Wähler, in Bayern sind sie ein Bank. Bei acht bis zehn Prozent liegen sie dort in Umfragen. Parteichef Aiwanger sieht sich als "Königsmacher", an dem der nächste Regierungschef im Freistaat nicht vorbeikommt. Für den Fall zumindest, dass CSU-Chef Horst Seehofer die absolute Mehrheit verpasst und die FDP aus dem Landtag fliegt. Dann kann Aiwanger entscheiden, ob er ein rot-grünes Bündnis stützt oder Seehofer an der Macht hält.

Die Rolle scheint ihm zu gefallen. SPD und Grüne bieten ihm ein Bündnis offen an. "Auch die CSU rechnet mit uns", sagt er. Dann lacht er hochzufrieden: "Hehehe!"

AfD heißt für Aiwanger: Abschreiben für Deutschland

Und spielt mit den Nerven der möglichen Partner. Er sei nicht ins Regieren verliebt. Er könne ohne Probleme weiter in der Opposition bleiben. Die anderen müssten ordentlich "Federn lassen", bevor er sich mit ihnen an den Kabinettstisch setze. Im Moment nämlich seinen weder CSU noch SPD und Grüne für die Freien Wähler koalitionsfähig.

Es geht viel um Bayern. Aber Aiwanger will ja mehr, er will bundespolitischen Erfolg. Seine Partei soll in den Bundestag einziehen. Im Bund aber sieht es mau aus. Die Umfrageinstitute weisen gerade noch die "Alternative für Deutschland" (AfD) mit irgendwas um zwei bis drei Prozent aus. Die Freien Wähler sind bundesweit nicht mehr seriös messbar.

Die AfD, sie macht Aiwanger zu schaffen. Beide Parteien gelten als eurokritisch. Aber die AfD scheint damit mehr Erfolg zu haben. Aiwanger findet jetzt seine Inhalte in der AfD wieder, vor allen die Idee einer Zweitwährung für die Südländer im Euro-Raum. "Abschreiben für Deutschland" nennt er die Strategie der Konkurrenz.

"Das muss die CSU schon aushalten"

Immerhin erhält Aiwanger ausgerechnet von einem CSU-Mann Hilfe beim Versuch, die Freien Wähler etwas bekannter zu machen. Rolf Baron Vielhauer von Hohenhau. Kürzlich hat er einige Bekanntheit dadurch erreicht, dass er eine Leserbriefschreiberin in Augsburg mit Abmahn-Klagen überziehen wollte. Seehofer selbst hat sich einschalten und seinen Parteifreund zurückpfeifen müssen.

Womöglich dachte von Hohenhau, dass er seinem Parteichef jetzt etwas heimzahlen kann, wenn er sich in Berlin an die Seite Aiwangers setzt und für dessen steuerpolitische Ideen wirbt. "Das muss die CSU schon aushalten", sagt er. Er sei ja im Übrigen als Präsident der bayerischen Steuerzahler da, erklärt der Mann mit den goldenen Manschettenknöpfen, der goldenen Uhr und dem goldenen Wappenring. "Wir sind parteipolitisch neutral", sagt er.

Vielleicht verrät er demnächst ja mal Horst Seehofer, wie er als CSU-Kreischef an der Seite seines Duzfreundes Aiwanger politische Neutralität wahren will. Aiwanger jedenfalls freut sich sichtlich über die kleine Wahlkampfhilfe. Nach der Pressekonferenz holt der den Herrn Baron noch einmal zu sich. Für ein gemeinsames Foto. Vielleicht bekommt Seehofer ja einen Abzug.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema