Frauenwahlrecht Erste Frauen gewählt: Eine kleine Revolution in Saudi-Arabien

Saudi women head to polls in municipal elections for first time epaselect epa05066147 Saudi women leave a polling station after casting their votes in the Kigdom's municipal elections, in Riyadh, Saudi Arabia, 12 December 2015. For the first time Saudi women have been allowed to run and vote in the the country's municipal elections, regarded as a small but significant opening of the ultra conservative society to women. Though female candidates were not allowed to campaign and had to be accomapanied by a male guardian in order to be able to vote in the country where they are still not allowed by law to drive. The voting age was also lowered prior to the election from 21 to 18. EPA/AHMED YOSRI +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

In kaum einem anderen Land der Welt haben Frauen so wenige Rechte. Jetzt durften sie erstmals an Wahlen teilnehmen.

Von Simon Hurtz

Salma bent Hisab al-Oteibi wird in Madrakah am Rande der heiligen islamischen Stadt Mekka künftig mitentscheiden dürfen, wenn es um den Bau von Parkplätzen für Autos geht - selbst darauf parken darf sie allerdings nicht. Der amtlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge ist sie die erste Frau, die in Saudi-Arabien zur Gemeinderätin gewählt wird, von Gleichberechtigung ist das Königreich aber noch weit entfernt: Autofahren ist Frauen grundsätzlich verboten. Das gibt es sonst in keinem anderen Land der Erde.

Saudi-Arabien hat am Samstag Frauen erstmals erlaubt, sich an einer Wahl zu beteiligen. Aktiv, als Wählerinnern, aber auch passiv, als Kandidatinnen. 130 000 Frauen hatten sich registrieren lassen, etwa 980 traten selbst zur Wahl an. Ihnen standen knapp anderthalb Millionen männliche Wähler und 6900 Bewerber gegenüber.

Gemeinderäte besitzen nur wenige Kompetenzen

Nun werden erste Ergebnisse bekannt, und neben Salma bent Hisab al-Oteibi haben es weitere Frauen in den Gemeinderat geschafft. So werden auch in der Hafenstadt Dschidda im Westen des Landes mindestens zwei Unternehmerinnen im Lokaltparlament sitzen. Die offiziellen Ergebnisse sollen im Laufe des Tages veröffentlicht werden.

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Gemeinderäte haben in Saudi-Arabien nur wenig Gestaltungsmacht. Sie entscheiden über lokale Verwaltungspolitik - etwa über den Bau von Parkplätzen. Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen können sie kaum in Gang bringen. Was die Kommunalwahl für das ultrakonservative Saudi-Arabien bedeutet, ist umstritten. Die Interpretationen reichen von "kleine Revolution" bis "reine PR-Maßnahme".

Die Wahl ist ein Fortschritt

Insbesondere die beteiligten Frauen freuen sich über die Möglichkeit, selbst zu wählen und gewählt zu werden. "Ich bin total aufgeregt. Und ich bin stolz, eine der ersten zu sein, die wählen darf", zitiert die Tagesschau eine Wählerin. Ein zuständiger Ministerialbeamter glaubt, dass "die absolute Mehrheit" dafür sei, dass Frauen wählen und kandidieren. "Das ist eine große Sache, dass Frauen gleich beim ersten Mal beides dürfen."

Auch viele Menschenrechtler und Aktivisten sehen die Abstimmung als Fortschritt für die Frauenrechte. "Saudi-Arabien hat erkannt, dass es sich in Sachen Frauenrechte weiterentwickeln muss", sagt etwa Adam Coogle von Human Rights Watch. Korrespondenten berichten von bewegenden Szenen in den Wahllokalen. "Ich habe geweint", gibt die Nachrichtenagentur AFP eine Wählerin in der Hauptstadt Riad wieder. "Es ist etwas, das wir sonst nur im Fernsehen in anderen Ländern gesehen haben."